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Apples Touch-Kehrtwende: Bloß keine zweite Touch Bar
Der iPhone-Konzern bringt Touch auf den Mac. Aber von einem vollen Bekenntnis dazu ist man noch weit entfernt, analysiert Malte Kirchner in Los Angeles.
Apple-CEO John Ternus bei der Vorstellung des neuen MacBook Pro in Los Angeles
Apple hat keinen Mangel an Selbstbewusstsein. Wettbewerber kamen und gingen, ist aus dem Unternehmen zu hören: Der Mac hingegen sei eine große Erfolgsgeschichte. Und warum? Apple habe eben keine Angst vor Veränderungen, gibt man sich selbstsicher. Auch nicht vor großen. Nur so könne man auf Dauer relevant bleiben.
Dass Apple im Jahr 2026 ein Touch-MacBook-Pro herausbringt, kann man getrost als große Änderung bezeichnen. Lange hat sich das Unternehmen dagegen gesträubt, dem Mac eine Touchbedienung zu spendieren. Wie beim Stift auf dem iPhone war es wieder einmal eine Steve-Jobs-Äußerung aus dem Jahre 2010, die anscheinend wie ein ungeschriebenes Gesetz über dem Thema Touch auf dem Mac lag.
Malte Kirchner ist seit 2022 Redakteur bei heise online. Neben der Technik selbst beschäftigt ihn die Frage, wie diese die Gesellschaft verändert. Sein besonderes Augenmerk gilt Neuigkeiten aus dem Hause Apple. Daneben befasst er sich mit Entwicklung und Podcasten.
Kunstgriffe wie die glücklose Touch Bar und ein größeres Trackpad sollten offenbar auch jene bei Laune halten, die neidisch auf die PC-Welt schauten, auf deren wagemutige Experimente mit Convertibles, der Verschmelzung von Notebook und Tablet.
Apple blieb hingegen auf Kurs – und die Geschäftszahlen gaben dem Unternehmen recht. Dass man nun plötzlich doch Touchbedienung einführt, nennt man eine „natürliche Entwicklung“. Aber wer auf der „Pro and Tell“-Veranstaltung in Los Angeles genau hinhörte, entdeckte doch einige Zwischentöne und Türchen, die sich Apple offenlässt. Sie behaften diese Entwicklung mit Wenn und Aber. Diese Unklarheit könnte für das Thema Touch am Mac schicksalhaft sein, wenn sie nicht rechtzeitig aufgelöst wird.
Denn so überzeugend die augenscheinliche Lesart Apples ist, dass es mittlerweile eine Generation von Menschen gibt, für die Touchbedienung einfach das Natürlichste der Welt ist, das man auch auf dem Mac haben will – wenn man genauer nachfragt, reduziert Apple diese Überzeugung auf Pro-Creator. Und das klingt wie eine verlegene Entschuldigung dafür, dass man gegenwärtig nur Nutzer dieser Generation mit besonders großem Portemonnaie im Fokus hat. Ab knapp 3300 Euro gibt es ein MacBook Pro mit dem neuen OLED-Touchscreen. Meinte man die gesamte junge Generation, die mit Fingerbedienung groß geworden ist, müsste Touch doch eigentlich auch beim günstigsten MacBook Pro und vor allem beim MacBook Air kommen.
Das weckt Erinnerungen an die Touch Bar, die daran krankte, dass sie dem MacBook Pro vorbehalten blieb und selbst dort nicht konsequent in allen Modellen eingebaut wurde. Entwickler entschieden sich kurzerhand dagegen, allzu viel Mühe in die Unterstützung des Touch-Zusatzdisplays zu investieren – und die eigentlich schöne Idee der Touch Bar fristete ein Schattendasein, bis Apple sie endlich abschaffte.
Beim Touch-Display will man so eine Entwicklung natürlich vermeiden – und tatsächlich sind die Ausgangsbedingungen besser. Grundsätzlich jede App auf dem MacBook Pro mit Touch-Display ist auch mit dem Finger bedienbar. Bei einigen Anwendungsfällen, so konnten wir selbst erproben, ist Touch nützlicher als Maus und Trackpad. In anderen bleiben Tastatur und Maus bzw. Trackpad weiter die erste Wahl. Entwickler haben künftig die Chance, die Touchbedienung noch weitergehender zu unterstützen. Tun sie es nicht, ist das kein Weltuntergang.