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60.000 Jahre alter Ocker enthüllt einen überraschenden Hinweis auf frühe Menschen
Roter Ocker diente frühen Menschen als vielseitiger Rohstoff, doch seine ursprünglichen Verwendungen sind oft schwer zu rekonstruieren. In etwa 60.000 Jahre alten Ablagerungen aus Südafrika wurden jetzt Eiweißspuren einer Elenantilope entdeckt. Sie könnten von einer Mischung aus Ocker und Tiermaterial oder von einer behandelten Tierhaut stammen und eröffnen einen neuen Zugang zu verschwundenen organischen Werkstoffen.
Bergen (Norwegen). Ocker ist ein eisenhaltiges Mineralgemisch, das sich zu rotem oder gelblichem Farbpulver verarbeiten lässt. Aus der afrikanischen Mittelsteinzeit sind zahlreiche Ockerfunde bekannt, doch viele davon verraten kaum, ob das Material zum Färben, zum Bearbeiten von Häuten oder für andere Zwecke genutzt wurde.
Das Problem liegt vor allem in den organischen Bestandteilen solcher Anwendungen, denn Häute, Fette und andere tierische Stoffe zersetzen sich meist vollständig. Eine ungewöhnlich ausgedehnte Ockerschicht aus dem südafrikanischen Klipdrift Shelter eröffnet nun die Chance, selbst ohne erhaltene Tierhaut noch molekulare Hinweise auf den damaligen Umgang mit dem Pigment zu entdecken.
Forscher der University of Bergen (UiB) um Zahra Haghighi haben dafür fünf archivierte Sedimentproben aus dem Fundplatz untersucht. Sie stammen aus Schichten der Howiesons-Poort-Periode vor rund 60.000 Jahren, in denen sich eine vermutlich über einen Meter lange und rund 40 Zentimeter breite Lage aus fein zerkleinertem Ocker abzeichnete.
Für den Nachweis verwendete das Team die Paläoproteomik, bei der Eiweißreste aus uralten Proben isoliert und über ihre molekularen Bruchstücke bestimmt werden. Die Proben wurden mithilfe der Massenspektrometrie untersucht, anschließend verglichen die Forscher die Proteinfragmente mit Referenzsequenzen verschiedener Säugetiere.
In zwei der fünf Proben fanden sich Fragmente von Kollagen des Typs I, das anhand charakteristischer Sequenzabschnitte der Elenantilope (Taurotragus oryx) zugeordnet werden konnte. Dieses Strukturprotein kommt unter anderem in Haut, Sehnen und Knochen vor, weshalb der Nachweis zwar das Tier erkennen lässt, aber noch nicht das verwendete Gewebe.
Die beiden positiven Proben stammen aus unterschiedlichen archäologischen Schichten. Veränderungen der Eiweißbausteine passen zu einem hohen Alter, während mikroskopisch nur wenige kleine Knochenreste sichtbar waren. Das stützt die Interpretation alter Proteinspuren, beweist aber noch keine bestimmte Art der Nutzung.
Eine mögliche Erklärung ist, dass Menschen der Mittelsteinzeit tierisches Material bewusst mit Ockerpulver vermischten, etwa um eine nutzbare Masse herzustellen. Ebenso denkbar ist, dass eine mit Ocker eingeriebene oder gefärbte Elenantilopenhaut an diesem Ort lag und nach ihrem Zerfall die Pigmentschicht zurückließ.
Welche der beiden Deutungen zutrifft, bleibt offen, weil die Analysen weder das konkrete Ausgangsgewebe noch eine einstige Rezeptur nachweisen. Weitere, bislang unbekannte Tätigkeiten können ebenfalls zu der Kombination von Ocker und Elenantilopenkollagen geführt haben.
Die unterschiedlichen Korngrößen des Pigments und die zusammenhängende Ausdehnung der Schicht sprechen für eine komplexe Entstehung und möglicherweise gezielte menschliche Bearbeitung. Sie liefern aber keinen unmittelbaren Beweis für Körperbemalung, ein bestimmtes Werkzeug oder eine zeremonielle Handlung.