// SCINEXX — SPAZIO & SCIENZA
Sonnenwind koppelt sich offenbar je nach Ort unterschiedlich ans Erdmagnetfeld
Wenn Sonnenwind auf das Magnetfeld der Erde trifft, können beide Magnetfelder neue Verbindungen eingehen und Energie austauschen. Erste Messungen zweier Satelliten deuten nun darauf hin, dass sich dieser Vorgang vor allem von Ort zu Ort unterscheidet und weniger durch zeitliche Schwankungen geprägt ist. Für ein abschließendes Urteil sind weitere Beobachtungen nötig.
Greenbelt (U.S.A.). Sonnenwind strömt unablässig auf das Magnetfeld der Erde zu und bringt elektrisch geladene Teilchen sowie ein eigenes Magnetfeld mit. An der äußeren Grenze der Magnetosphäre können sich Feldlinien unterschiedlicher Herkunft neu verbinden, wodurch Energie und Teilchen in den erdnahen Raum gelangen.
Diese magnetische Rekonnexion gehört zu den wichtigen Vorgängen des Weltraumwetters, doch ihr räumlicher und zeitlicher Ablauf ist schwer auseinanderzuhalten. Einzelne Raumsonden erfassen meist nur kurze Ausschnitte des Geschehens, während sich die Bedingungen an der Magnetfeldgrenze fortwährend verändern können.
Forscher des Southwest Research Institute (SwRI) um Dr. Stephen Fuselier haben nun die ersten Messungen der Mission Tandem Reconnection and Cusp Electrodynamics Reconnaissance Satellites (TRACERS) ausgewertet. Die beiden im Juli 2025 gestarteten Sonden folgen einander auf nahezu derselben Umlaufbahn und untersuchen die südliche Polregion der Magnetosphäre.
Auf ihrem Weg durchqueren sie die sogenannte Cusp, eine trichterförmige Zone nahe dem magnetischen Südpol, in der Teilchen des Sonnenwinds eindringen können. Die Analysatoren an Bord messen, welche Energien die eintreffenden Ionen besitzen und in welchen magnetischen Breiten sie nachweisbar sind.
Zwischen dem 7. November 2025 und dem 28. Februar 2026 erfassten beide Sonden 207 gemeinsame Begegnungen mit dieser Region. Bleiben charakteristische Teilchenmuster bei den zeitlich versetzten Durchflügen an derselben magnetischen Breite, spricht dies für räumliche Unterschiede zwischen Rekonnexionsgebieten. Verschieben sich die Muster dagegen mit der Bewegung der Magnetfeldlinien, deutet das auf zeitliche Veränderungen des Prozesses hin.
Von den 207 Begegnungen ordnete das Team 129 überwiegend räumlichen Unterschieden zu und 48 überwiegend zeitlichen Veränderungen. Die übrigen 30 Fälle ließen sich keiner der beiden Kategorien eindeutig zuordnen.
Dieses Verhältnis blieb bei getrennten Betrachtungen verschiedener Richtungen des interplanetaren Magnetfelds und unterschiedlicher Sonnenwinddrücke bestehen. In jeder dieser Gruppen traten räumlich geprägte Muster mindestens doppelt so häufig auf wie zeitlich geprägte.
Das bedeutet allerdings nicht, dass sich die Rekonnexion an einzelnen Orten überhaupt nicht verändert. Fast alle als räumlich eingeordneten Begegnungen enthielten zugleich kleinere zeitliche Schwankungen, die den größeren räumlichen Unterschieden überlagert waren. Die Beobachtungen sprechen deshalb für ein Überwiegen örtlicher Unterschiede, nicht für einen vollständig zeitlich konstanten Vorgang.
Die Ergebnisse gelten bislang als vorläufig, weil deutlich weniger gemeinsame Messungen vorliegen als ursprünglich geplant. Kurz nach dem Start verlor einer der Satelliten die Fähigkeit, elektrische Energie in seinen Batterien zu speichern, sodass seine Instrumente nur im Sonnenlicht arbeiten können.