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Ukraine: Zehn Tage gegen den Krieg im Kopf
In den ukrainischen Karpaten versuchen Soldatinnen und Soldaten, für ein paar Tage Abstand vom Krieg zu gewinnen. Doch die Erinnerungen lassen sich nicht einfach abschütteln.
Ruslan strahlt. Der 44-Jährige sitzt in einem Schlauchboot, das über einen Fluss in den ukrainischen Karpaten gleitet. Er freut sich über die Stromschnellen, über das Wasser, das ins Boot spritzt. Und darüber, dass er die anderen überholt hat. Sogar der Gruppenleiter habe ihn dafür gelobt, erzählt er begeistert. Es ist das erste Mal in seinem Leben, dass er Rafting ausprobiert.
Dass Ruslan so unbeschwert lachen kann, ist alles andere als selbstverständlich. Am Flussufer erzählt er von seinem ersten richtigen Urlaub seit langer Zeit. Mitten im Satz verändert sich sein Gesicht, Tränen steigen ihm in die Augen. "Ich war dreieinhalb Jahre in Gefangenschaft", sagt er. "Deshalb tut mir dieser Urlaub jetzt gut." Bis Juni 2025 war der ukrainische Marineinfanterist in russischen Gefängnissen eingesperrt. Dort sei er geschlagen, gedemütigt und gefoltert worden.
Als Russland im Februar 2022 die Ukraine überfiel, verteidigte Ruslan die Hafenstadt Mariupol. Ende März sei seine Einheit angegriffen worden. Ein Kamerad sei in seinen Armen gestorben. Ruslan berichtet, er selbst sei schwer verletzt worden und Anfang April 2022 in Gefangenschaft geraten. Es folgten Jahre, in denen er fast täglich misshandelt worden sei, sagt er.
Mehr als drei Jahre befand sich Ruslan in russischer Gefangenschaft - eine Zeit der fortwährenden Misshandlung und Demütigung.
Zehn Tage lang versuchen Ruslan und andere ukrainische Soldatinnen, Soldaten und Veteranen, in den Karpaten Abstand vom Krieg zu gewinnen. Eine Hilfsorganisation hat sie eingeladen. Auf dem Programm stehen Wanderungen, Reiten, Rafting, gemeinsame Gespräche und Kunsttherapie.
Was weitgehend nach einem Ferienprogramm klingt, ist für viele Teilnehmer eine große Herausforderung: wieder Freude empfinden, anderen Menschen vertrauen, nachts Ruhe finden.
Wie tief der Krieg psychische Spuren hinterlässt, zeigen Untersuchungen: Einer aktuellen Studie zufolge leiden etwa zwei Drittel der untersuchten ukrainischen Soldatinnen und Soldaten in medizinischen und Rehabilitationseinrichtungen unter einer posttraumatischen Belastungsstörung. Viele haben schwere Verwundungen, den Tod von Kameraden oder russische Gefangenschaft erlebt. Und selbst fernab der Front lässt sie der Krieg nicht los.
Ruslan erzählt, dass er seit seiner Freilassung kaum ohne Schlaftabletten einschlafen könne. In den ersten Nächten in den Bergen sei ihm das tatsächlich gelungen. Doch dann seien die Schlafprobleme zurückgekommen. Manchmal liege er stundenlang wach. Albträume erinnerten ihn an die Gefangenschaft.
Erstmals wurde ein verwundeter ukrainischer Soldat aus dem Frontgebiet mit einer Drohne ausgeflogen.
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