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Vor 40 Jahren: Als eine Chemiewolke über Basel zog
Vor 40 Jahren brannte bei Basel eine Lagerhalle, in der große Mengen gefährlicher Chemikalien gelagert waren. Ein Giftwolke zog über die Stadt, verseuchtes Löschwasser floss in den Rhein. Was hat sich durch die Katastrophe verändert?
Das Industriegebiet Schweizerhalle liegt rund acht Kilometer von der Basler Innenstadt entfernt. Man sieht Schornsteine, Verladekräne, Tanks und überirdische Rohrlandschaften, die typisch für die chemische Industrie sind. Das ganze Areal schmiegt sich direkt an den Rhein.
In der Nacht auf den 1. November 1986 ist es Ausgangspunkt einer der größten Umweltkatastrophen Europas: der Brand in einem Chemikalienlager der Firma Sandoz.
Kurz nach Mitternacht geht bei der Feuerwehr in Basel die Meldung ein. Zunächst ist von einem Schwelbrand die Rede. Schon bald explodieren jedoch Fässer unbekannten Inhalts, Feuerbälle schießen in den Nachthimmel, es liegt ein beißender Geruch in der Luft.
Während die Feuerwehr versucht, den Brand in den Griff zu bekommen, fahren Polizeiautos mitten in der Nacht durch Basel, die Menschen werden aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten.
Viele Baslerinnen und Basler erinnern sich bis heute minutiös an diese Nacht. Matthias Nabholz ist einer davon. Nabholz war damals 16 Jahre alt. Seine Mutter habe ihm und seinen drei Geschwistern nasse Waschlappen in die Hände gedrückt. Diese sollten sie vor den Mund halten, in der Hoffnung, dass sie so keine giftigen Dämpfe einatmen.
Die Verfärbung des Löschwassers zeigte es an - in der Sandoz-Halle waren gefährliche Substanzen freigesetzt worden.
Das ganze Ausmaß der Sandoz-Katastrophe zeigt sich dann einige Stunden später. Der Rhein, der durch Basel fließt, ist blutrot, auf der Wasseroberfläche treiben tonnenweise tote Fische. Beides eine Folge der Giftstoffe im Wasser.
Es ist ein Anblick, der viele Menschen nachhaltig verstört. Auch Laien wird klar: Es kann nicht stimmen, was die Sandoz-Firmenleitung zunächst noch behauptet: dass bei dem Brand nichts Schlimmes passiert sei.
Scheibchenweise kommt die Wahrheit ans Licht: dass in der Halle 1.350 Tonnen giftige Chemikalien lagerten, dass mehrere Tausend Kubikmeter verseuchtes Löschwasser ungefiltert in den Rhein geleitet wurden, dass es so gut wie keine Alarm- und Sicherheitsvorkehrungen gab, dass die Schweizer Behörden weder die Verantwortlichen in Frankreich noch in Deutschland informiert und gewarnt haben.