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Analyse: Bei C++ ist das Undenkbare geschehen – C++26 wurde abgelehnt
C++26 wurde von den National Bodies bei der DIS-Wahl abgelehnt. Was das bedeutet und wie es weitergehen kann, beschreibt Andreas Fertig in seiner Analyse.
Am 23. Oktober ist das Undenkbare geschehen. Eigentlich war es eine reine Formsache: C++26 stand den National Bodies (NB) der ISO zur Wahl. Annahme, Ablehnung oder Enthaltung sind stets die Optionen. Kommentare sind ebenfalls erlaubt. Seit 1998 lief dieser Prozess geräusch- und reibungslos. Nicht so am 23. Oktober 2026. Nach zwölfwöchiger Abstimmungsphase liegt das Resultat vor: Disapproved!
Andreas Fertig ist erfahrener C++-Trainer und Berater, der weltweit Präsenz- sowie Remote-Kurse anbietet. Er engagiert sich im C++-Standardisierungskomitee und spricht regelmäßig auf internationalen Konferenzen. Mit C++ Insights (https://cppinsights.io) hat er ein international anerkanntes Tool entwickelt, das C++-Programmierenden hilft, C++ noch besser zu verstehen.
Ich möchte an dieser Stelle erwähnen, dass ich Mitglied des C++-Standardisierungskomitees bin und mit Kolleginnen und Kollegen die Stimme für Deutschland bilde. Die ISO-Regeln besagen, dass verschiedene Abstimmungen ISO-intern sind und Ergebnisse beziehungsweise deren Zusammensetzung nicht veröffentlicht werden dürfen. Dieser Artikel ist meine persönliche Sichtweise.
Soweit mir bekannt, ist es das erste Mal in der Geschichte von C++, dass eine DIS-Abstimmung (Draft International Standard) mit Nein endete. Bei meiner Abfrage im ISO-System konnte ich nur eine andere DIS-Abstimmung finden, die nicht positiv verabschiedet wurde: ISO/IEC DIS 26926 C++/CLI Language Specification vom 9. August 2006. Eventuell reichen meine Rechte für die Suche nicht aus, um alles zu sehen, aber es sollten alle ISO-Programmiersprachen sichtbar sein. Das traurige Ende von ISO/IEC DIS 26926: Das Projekt wurde gestoppt. Dies vorab, um die Tragweite dieser Abstimmung klarzumachen.
Im Folgenden werde ich verschiedene Termini aus dem ISO-Alltag verwenden. Auf der Seite zu den Prozeduren des C++-Komitees gibt es einen Überblick über die verschiedenen Stufen eines ISO-Standards. DIS ist die vorletzte. Wie die Übersicht ebenfalls zeigt, ist eine Zweidrittelmehrheit notwendig. Zudem darf höchstens ein Viertel der abgegebenen Stimmen auf Nein lauten. Diese Hürde nahm C++26 nicht.
Aus den von den NBs abgegebenen Kommentaren lässt sich der Grund für das Nein recht gut ablesen: Contracts oder Verträge. Hier ist eine Anzahl von NBs, vereinfacht gesagt, der Ansicht, dass dieses Feature bisher nicht in einem Release-fähigen Zustand ist.
Jetzt wird es kompliziert. Das C++-Standardisierungskomitee, auch bekannt als WG21, folgt den ISO-Regeln, hat aber auch einige zusätzliche Regeln. Eine lautet(e), dass Meinungen immer dann angehört werden, wenn es neue Informationen gibt. Wenn das Komitee eine Meinung hört und nach einer Abstimmung ein Feature dennoch nicht wie gewünscht umsetzt, respektiert die Person das Ergebnis und die Tatsache, dass viele andere Leute anderer Meinung sind.
Die Abstimmung auf NB-Level kann sich aber auch aus anderen Personen zusammensetzen, und es ist den National Bodies freigestellt, anders abzustimmen.
Der bisherige Modus war, dass NBs nur dann gegen einen Standard stimmen, wenn es neue Informationen gibt oder Fehler im Prozess oder Ähnlichem erkannt wurden. Das hat sich am 23. Oktober 2026 geändert.