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Atomenergie verliert trotz Rekordproduktion global an Bedeutung
Die weltweite Stromproduktion aus Atomkraft erreichte 2025 einen neuen Höchststand. Dennoch sank ihr Anteil an der globalen Stromversorgung auf nur noch 8,8 Prozent. Eine internationale Bestandsaufnahme zeigt, dass das Wachstum fast ausschließlich aus China stammt, während sich neue Reaktorprojekte verzögern und kleine modulare Reaktoren kaum vorankommen.
Berlin (Deutschland). Der Ausbau der Kernenergie wird in vielen Ländern erneut diskutiert, doch die tatsächliche Entwicklung der weltweiten Atomindustrie zeigt ein widersprüchliches Bild. Einzelne neue Kraftwerke und höhere Produktionszahlen stehen einer nahezu stagnierenden installierten Leistung und einem sinkenden Anteil am globalen Strommix gegenüber.
Der entscheidende Vergleich ist dabei nicht nur die absolute Strommenge aus Reaktoren, sondern ihre Entwicklung gegenüber dem stark wachsenden weltweiten Strombedarf. Während erneuerbare Energien rasch zusätzliche Kapazitäten gewinnen, sind neue Atomkraftwerke kapitalintensiv und oft erst nach vielen Jahren verfügbar.
Der World Nuclear Industry Status Report 2026 (WNISR2026) hat die weltweite Entwicklung von Reaktoren, Neubauten und Stromerzeugung ausgewertet. An dem 596 Seiten umfassenden internationalen Bericht waren auch Fachleute der Technischen Universität Berlin (TU Berlin) beteiligt. Es handelt sich um einen umfassenden Forschungs- und Branchenbericht, nicht um eine hier nachgewiesene peer-reviewte Einzelstudie.
Im Jahr 2025 erzeugten Kernkraftwerke weltweit rund 2.703 Terawattstunden Strom und erreichten damit einen Höchststand. Trotzdem fiel der Anteil der Atomenergie an der weltweiten Stromerzeugung auf 8,8 Prozent, den niedrigsten Wert seit rund 45 Jahren. Beim früheren Höchststand 1996 lag ihr Anteil noch bei etwa 17,5 Prozent.
Der Zuwachs kommt vor allem aus China, wo die Kernkraftproduktion weiter steigt. Außerhalb Chinas ging die Erzeugung 2025 dagegen leicht zurück, obwohl der weltweite Strombedarf zunahm. Ein Produktionsrekord bedeutet deshalb noch keine wachsende Bedeutung im gesamten Stromsystem.
Im vergangenen Jahr wurden weltweit vier neue Reaktoren in Betrieb genommen und sieben endgültig stillgelegt. Die global installierte Leistung verringerte sich dadurch um rund 500 Megawatt. Neubauten konzentrieren sich außerdem auf wenige Länder, insbesondere auf China.
Mitte 2026 befanden sich weltweit 73 Reaktoren im Bau, davon 37 in China. Verzögerungen bleiben ein wichtiges Hindernis, denn keiner der zwischen 2023 und 2025 fertiggestellten Reaktoren wurde nach den ausgewerteten Projektdaten innerhalb der ursprünglich vorgesehenen Bauzeit abgeschlossen. Solche langen Realisierungszeiten erschweren eine schnelle Ausweitung der Stromerzeugung.
Zudem altert der bestehende Kraftwerkspark. Das durchschnittliche Alter der weltweit betriebenen Reaktoren lag Mitte 2026 bei knapp 33 Jahren, mehr als ein Drittel war bereits mindestens 41 Jahre in Betrieb. Damit wächst die Bedeutung von Laufzeitverlängerungen und Ersatzneubauten.
Als mögliche Alternative zu großen Kernkraftwerken gelten kleine modulare Reaktoren, sogenannte Small Modular Reactors (SMR). Ihre Entwickler setzen auf kleinere Einheiten und eine stärker standardisierte Fertigung, die Bauzeiten und Kosten künftig senken soll. Ob diese erwarteten Vorteile im kommerziellen Maßstab tatsächlich erreicht werden, ist bislang nicht ausreichend belegt.