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Unterirdische Speicherung & Co.: Neue Kennzahl vergleicht Risiken der CO₂-Speicherung
Wenn CO₂ aus der Atmosphäre entfernt wird, soll es möglichst lange gespeichert bleiben. Eine neue Kennzahl beziffert, wie groß das Risiko eines späteren Verlusts unter festgelegten Annahmen ist. In Modellrechnungen reicht die mögliche Fehlmenge nach 200 Jahren bei 95-prozentiger Sicherheit von 0,15 Prozent für gut regulierte geologische Speicher bis zu mehr als 70 Prozent für ein Waldprojekt in Kalifornien.
Exeter (England). Aufforstung und technische Verfahren zur CO₂-Entnahme gelten als Möglichkeiten, bereits ausgestoßenes Kohlendioxid wieder aus der Atmosphäre zu holen. Ihr Nutzen für das Klima hängt nicht nur davon ab, wie viel CO₂ zunächst gebunden wird, sondern auch davon, wie lange es der Atmosphäre entzogen bleibt.
In Wäldern können Brände und andere Störungen gespeicherten Kohlenstoff wieder freisetzen. Bei der geologischen Speicherung, etwa nach dem Herausfiltern von CO₂ aus der Luft, bilden Leckagen eine andere Art von Risiko. Bisher lassen sich solche Unsicherheiten nur schwer mit einer einheitlichen Kennzahl vergleichen.
Forscher der University of Exeter um Prof. Ben Groom haben dafür die Kennzahl „Carbon at Risk“ (CaR) entwickelt. Sie beschreibt die Differenz zwischen vertraglich zugesagter CO₂-Entnahme und der Menge, die zu einem festgelegten zukünftigen Zeitpunkt mit gewählter Wahrscheinlichkeit noch gespeichert ist.
Das Konzept orientiert sich am „Value at Risk“ aus der Finanzwirtschaft, überträgt es aber auf physische Kohlendioxidmengen. Ein CaR-Wert von 20 Prozent bei 95-prozentiger Sicherheit bedeutet, dass nach dem gewählten Zeitraum in 95 Prozent der modellierten Fälle höchstens ein Fünftel der zugesagten Menge fehlt.
Die Zahl soll unter anderem helfen, Sicherheitsreserven für mögliche Verluste zu bemessen und unterschiedliche Klimaschutzprojekte nach ihrem Risiko zu vergleichen. Sie ist keine gemessene Ausfallquote, sondern eine von Daten, Annahmen und Zeithorizont abhängige probabilistische Abschätzung.
Für eine erste Anwendung simulierte das Team die Folgen von Waldbränden und anschließendem Nachwachsen für typische Projektbedingungen in Kalifornien, im brasilianischen Mato Grosso und in Papua, Indonesien. Das Modell nutzt Daten zu verbrannten Waldflächen aus den Jahren 2002 bis 2023 und berechnet 5.000 mögliche Entwicklungen über bis zu 200 Jahre.
Für ein einzelnes Projekt in Kalifornien liegt der CaR-Wert nach 200 Jahren bei einem Sicherheitsniveau von 95 Prozent bei mehr als 70 Prozent der vereinbarten CO₂-Menge. Das bedeutet nicht, dass jeder Wald so viel Kohlenstoff verlieren wird, sondern kennzeichnet eine mögliche Fehlmenge am Rand der simulierten Verlustverteilung.
Wie hoch das Risiko ausfällt, hängt auch von der Regeneration der Wälder ab. Kalifornien und Mato Grosso zeigen ähnliche mittlere jährliche Brandflächenanteile, doch im Modell wachsen die Wälder in Mato Grosso schneller nach, während Kalifornien stärker von extremen Brandjahren betroffen ist.
Mehrere Projekte zu kombinieren verringert die Unsicherheit nur teilweise. Wenn großräumige Klimafaktoren gleichzeitig zahlreiche Waldflächen betreffen, bleiben solche gemeinsamen Risiken selbst bei einer großen Zahl von Projekten bestehen.