// HEISE ONLINE — HARDWARE & GADGET
„Viele Patienten sind überrascht, wer alles ihre ePA einsehen kann“
Wie Versicherte auf die ePA reagieren und weshalb es Kritik an den Plänen gibt, dass Betriebsärzte künftig automatisch auf die ePA zugreifen können.
This article is also available in
English.
It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.
Die elektronische Patientenakte (ePA) soll Befunde, Arztbriefe und andere Gesundheitsdaten leichter verfügbar machen. Gleichzeitig wird mit den Plänen für das Gesetz für Daten und digitale Innovationen im Gesundheitswesen (GeDIG) bereits über die nächsten Ausbaustufen diskutiert.
Doch wie erleben Patientinnen und Patienten die ePA im Alltag? Welche Sorgen gibt es bei Datenschutz und Zugriffsrechten? Und welche Folgen könnten neue Regelungen für die Nutzung sensibler Gesundheitsdaten haben? Darüber sprach heise online mit Susanne Berwanger und dem Juristen Jan Frederichs vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP).
Frau Berwanger, Sie arbeiten täglich mit Patientinnen und Patienten. Wie erleben diese aktuell die elektronische Patientenakte?
Susanne Berwanger: Viele Patientinnen und Patienten wissen erstaunlich wenig darüber, wie die ePA tatsächlich funktioniert. Wenn ich ihnen erkläre, welche Daten dort gespeichert werden können und welche Berufsgruppen darauf zugreifen dürfen, sind viele zunächst überrascht. Die meisten haben sich mit den Details der Zugriffsregelungen bislang gar nicht beschäftigt.
Berwanger: Vor allem, dass nicht nur die unmittelbar behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt Zugriff erhalten kann. Vielen ist nicht bewusst, dass auch andere Behandelnde Einsicht in bestimmte Daten nehmen können. Gerade bei psychischen Erkrankungen ist das ein sensibles Thema. Die meisten meiner Patientinnen und Patienten möchten beispielsweise nicht, dass ein Orthopäde oder Augenarzt automatisch Informationen über eine Psychotherapie oder eine psychische Diagnose erhält.
Berwanger: Viele reagieren zunächst mit Skepsis. Einige nutzen anschließend ihre Widerspruchsmöglichkeiten oder entscheiden sich dafür, bestimmte Dokumente nicht einstellen zu lassen. Andere lehnen die ePA komplett ab. Es gibt aber auch Patienten, die die ePA aktiv nutzen möchten und sich zutrauen, ihre Daten selbst zu verwalten. Insgesamt überwiegt in meinem Praxisalltag jedoch die Sorge um die Vertraulichkeit sensibler Informationen.
Sind die Möglichkeiten zur Steuerung der Zugriffsrechte aus Ihrer Sicht inzwischen ausreichend? Es wurde bei den Abrechnungsdaten und der elektronischen Medikationsliste ja bereits nachgebessert.
Berwanger: Nein. Das ist einer der größten Schwachpunkte. Aktuell funktioniert vieles nach dem Alles-oder-Nichts-Prinzip. Versicherte können zwar Dokumente komplett sperren, aber eine wirklich differenzierte Steuerung ist nur eingeschränkt möglich. Sinnvoll wäre aus meiner Sicht, dass Patienten genau festlegen können, welche Dokumente von welchen Behandlern eingesehen werden dürfen. Solche Funktionen waren ursprünglich sogar vorgesehen.