// TAGESSCHAU AUSLAND — MONDO
Palästinensergebiete: Siedlergewalt im Westjordanland eskaliert
Tote, Brandanschläge und zerstörte Häuser: Ein Zwischenfall mit zwei getöteten Israelis und vier Palästinensern hat eine neue Eskalation der Gewalt in Gang gesetzt. Die israelische Armee lässt die radikalen Siedler offenbar gewähren.
Was auf dem Handy-Video zu sehen ist, wirkt verstörend: Etwa 200 Siedler kommen von einem Hügel im von Israel besetzten Westjordanland herab, zünden im palästinensischen Dorf Sarra unweit von Nablus Autos an, legen im Haus von Mohammad Turabi Feuer.
Seine Kinder sind im Obergeschoss. Turabi hat die Schlafzimmertür abgesperrt. Die Brandschäden im Haus und sein völlig verkohltes Auto nennt er Glück im Unglück: "Sie hatten Molotowcocktails dabei. Ihr Ziel war es, zu töten. Sie haben mein Auto verbrannt, das verschmerze ich. Das Wichtigste ist, dass meinen Kindern nichts passiert ist."
Die Siedler seien durch die offenen Türen im Haus gelaufen und hätten in allen Zimmern Feuer gelegt, erzählt er weiter. "Ich habe drei Jungs und ein Mädchen. Mein Ältester ist elf Jahre alt. Ich danke Gott, dass niemand gestorben ist."
Die Angriffe in Sarra seien ein Racheakt Hunderter jüdischer Siedler gewesen, sagt Turabi. Seit am vergangenen Freitag im Nachbarort Tell ein Siedler, ein Soldat und vier palästinensische Dorfbewohner getötet wurden, ufert die Gewalt im Westjordanland aus. Turabi berichtet, dass die Siedler bei ihrem Angriff auf Sarra etwa 10.000 Olivenbäume mit Bulldozern entwurzelten. Die Lebensgrundlage vieler im Dorf sei zerstört.
"Sie haben mein Auto verbrannt, das verschmerze ich. Das Wichtigste ist, dass meinen Kindern nichts passiert ist", sagt Mohammad Turabi.
Das Militär hat Zufahrtsstraßen in der Region gesperrt. Israels Premier Benjamin Netanjahu kündigte eine Ausweitung der Militäreinsätze an. In Tell wurden Häuser durchsucht, Dutzende Palästinenser verhaftet.
Auch Mitglieder der Familie Ramadan aus Tell wurden verhört, erzählt Ihab Ramadan. Sein Bruder Farouq wurde bei der Auseinandersetzung zwischen Siedlern und Dorfbewohnern erschossen. "Farouq versuchte, unseren Ort vor den Siedlern zu schützen, die hierherkamen", berichtet er. "Hier leben Kinder, Frauen, junge Leute. Farouq wollte die Jugendlichen im Dorf von den Siedlern fernhalten."
Der kleine Ort Tell liegt südwestlich von Nablus im Westjordanland.
Dennoch sei es zu einem Gerangel gekommen. Als die israelische Armee eingetroffen sei, seien die Siedler zunehmend aggressiv geworden. Ihab Ramadan ist sich sicher: "Wären sie allein gewesen, wären sie geflüchtet. Aber mit der Armee im Rücken fühlen sie sich stark, schlagen und schießen. Sie machen, was sie wollen. Farouq wollte seinem Cousin helfen, der an der Hand verletzt war. Farouq hat rot gesehen."