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Flash-Speichermangel: Seagate verdient mit HDDs so gut wie nie
Der Speicherboom macht selbst vor mechanischen Festplatten nicht halt. Seagate steigert Umsatz und Gewinn deutlich und erreicht eine ungewöhnlich hohe Marge. Neben der Nachfrage aus Rechenzentren hilft dem HDD-Hersteller, dass Flash-Speicher knapp und teuer bleibt.
Seagate hat das vierte Quartal seines Geschäftsjahres 2026 mit einem Umsatz von 3,63 Milliarden US-Dollar abgeschlossen. Gegenüber den 2,44 Milliarden US-Dollar des Vorjahres entspricht das einem Wachstum von 49 Prozent. Noch deutlicher legte der Nettogewinn zu: Er stieg von 488 Millionen auf 1,29 Milliarden US-Dollar und damit um rund 165 Prozent.
Besonders auffällig ist die Profitabilität. Die Bruttomarge erreichte nach den offiziellen Quartalszahlen 52,3 Prozent. Mehr als die Hälfte des Umsatzes blieb somit nach Abzug der unmittelbar mit der Herstellung verbundenen Kosten übrig. Im Vorjahresquartal hatte die Bruttomarge noch bei 37,4 Prozent gelegen.
Seagate begründet die Entwicklung vor allem mit einer starken Nachfrage von Cloud-Rechenzentren sowie einer disziplinierten Steuerung der eigenen Produktion. Gefragt sind insbesondere hochkapazitive Festplatten, mit denen Hyperscaler große Datenmengen vergleichsweise günstig speichern können.
Zusätzlich profitiert der Hersteller indirekt von der angespannten Lage auf dem Flash-Markt. NAND-Flash bleibt knapp und teuer, da Speicherhersteller einen steigenden Teil ihrer Kapazitäten für margenstarke Produkte und Rechenzentren reservieren. Dadurch wird der vollständige Ersatz großer Festplattenbestände durch SSDs wirtschaftlich noch unattraktiver.
HDDs sind beim zufälligen Zugriff und beim Datendurchsatz deutlich langsamer als SSDs, bieten bei sehr großen Kapazitäten aber weiterhin wesentlich niedrigere Kosten pro Terabyte. Steigende Flash-Preise vergrößern diesen Abstand. Analysten sehen darin einen zusätzlichen Grund, warum Seagate und Western Digital ihre Preise derzeit besser durchsetzen können.
Der Flash-Speichermangel ist damit nicht die alleinige Ursache für Seagates Rekordzahlen. Er verstärkt aber eine Entwicklung, die ohnehin durch den Ausbau von Cloud- und KI-Rechenzentren angetrieben wird: Für schnell benötigte Daten werden SSDs verwendet, während große Datenbestände weiterhin auf Festplatten landen.
Seagate geht davon aus, dass die robuste Nachfrage nach Massenspeicher auch im Geschäftsjahr 2027 anhält. Technisch soll dabei insbesondere die HAMR-basierte Mozaic-Plattform helfen, mit der sich immer größere Kapazitäten pro Laufwerk realisieren lassen.
Mechanische Festplatten galten lange als Verlierer des Flash-Zeitalters. Die aktuellen Zahlen zeigen jedoch, dass knapper Flash-Speicher, steigende Datenmengen und begrenzte HDD-Produktionskapazitäten den verbliebenen Herstellern derzeit eine äußerst profitable Marktposition verschaffen. Ein Zeichen dafür ist auch der Börsenwert von Seagate, welcher zeitweise über 2.300 Prozent höher lag als am Tag des öffentlichen Starts von ChatGPT 3.5 Ende November 2022.