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Iron Nest überfordert mich mit Karten, Kurbeln und Mathematik – und genau deshalb ist der Heavy Turret Simulator so gut
Hier sorgt nicht das Ballern, sondern die minutenlange Vorbereitung für den eigentlichen Kick. Das ist knifflige Arbeit und fühlt sich trotzdem erstaunlich gut an.
In den ersten Minuten von Iron Nest: Heavy Turret Simulator wirkte ich ungefähr so souverän wie jemand, dem man kommentarlos die Schlüssel zu einer Massenvernichtungswaffe in die Hand drückt, aber die Bedienungsanleitung vorenthält. Denn genau das ist das Prinzip des Spiels: Ihr übernehmt das Kommando über einen monströsen Artillerieturm, völlig ohne Tutorial oder Stimme aus dem Off, die euch durch den Dschungel aus Hebeln, Schaltern und Reglern führt. Es gibt ein paar kleine Blechtafeln, die rudimentäre Details der Mechanik verraten. Dennoch stand ich anfangs ratlos in dieser Kriegsmaschine und starrte auf Apparaturen, deren eigentliche Funktion mir ein völliges Rätsel war.
Es ist eine anspruchsvolle Artilleriesimulation, die in einer fiktiven Version des Kastiliens der 1920er-Jahre spielt. Als Geschützführer einer gigantischen Dieselpunk-Artillerie berechnet ihr Koordinaten und Winkel manuell. Das Spiel erscheint am 6. August 2026 für PC, aber die Demo ist bereits erhältlich.
Wenn man zum ersten Mal vor dem Kartentisch, dem ballistischen Rechner oder einer Wand voller Kurbeln, Hebel und Anzeigen landet, fühlt man sich komplett überfordert. Irgendwo in diesem mechanischen Chaos muss sich die Antwort auf eine eigentlich simple Frage verbergen: „Wohin soll ich überhaupt schießen?“ Das ist alles ein gutes Stück komplexer als damals Artillery Duel auf dem Atari 2600, auch wenn es bei Iron Nest im Kern um dasselbe geht: Rohr ausrichten und Schusskraft einstellen.
Doch während man bei Artillery Duel seinen Gegner quasi direkt gegenüberstand, sperrt mich Iron Nest in die dunklen Eingeweide eines schweren Geschützturms. Wo sich der Feind befindet, erfahre ich nur durch das Rattern des Fernschreibers, wenn das Oberkommando knappe Befehle durchgibt: „Ziel #1 befindet sich bei Q4 4:2“. Mit dieser Info stehe ich dann am Kartentisch, verbinde Koordinaten und nutze die ermittelten Daten, um an den diversen Apparaturen die korrekte Richtung, den Winkel und die nötige Schusskraft zu kalibrieren. Herausfinden zu müssen, wie all das zusammenhängt, glich fast einem Detektivspiel. Doch seltsamerweise machte mich dieser anfängliche Blindflug nicht wütend – im Gegenteil: Er motivierte mich erst recht dazu, der riesigen Maschine ihre Geheimnisse zu entlocken.
Und das war nur der Anfang. Schließlich ist auch die Wahl des passenden Geschosses von großer Bedeutung, und die Demo zeigt ohnehin nur einen Teil der endgültigen Fassung. Etliche Gerätschaften bleiben in dieser Vorabversion noch verwehrt – ein sicheres Zeichen dafür, dass die Komplexität im weiteren Verlauf noch zunehmen wird. Das Spiel fordert absolute Konzentration, räumliches Vorstellungsvermögen, akribisches Kartenstudium und tatsächlich etwas Mathematik. Dass ausgerechnet diese geistige Schwerstarbeit so enorm motiviert, ist eine der schönsten Überraschungen von Iron Nest.
Doch worum geht es überhaupt? Iron Nest verfrachtet uns in das Kastilien der 1920er-Jahre, wo die Monarchie verzweifelt versucht, einen blutigen Aufstand niederzuschlagen. Unsere Rolle in diesem Konflikt: Wir bedienen für die Krone ein gigantisches, dieselbetriebenes Artilleriemonstrum mit zwei 800-Millimeter-Rohren. Unsere Befehle erhalten wir zwar über den ratternden Fernschreiber vom Oberkommando, doch es tröpfeln auch ungefilterte Meldungen von der Front herein. Schnell wird klar, dass die chaotische Realität auf dem Schlachtfeld nicht immer zu den strikten Befehlen der Führungsebene passt.
Ich erhalte also Berichte, ungefähre Richtungen oder Hinweise aus mehreren Quellen. Ich vergleiche diese Meldungen, ziehe Linien über die Karte und versuche, aus den Schnittpunkten eine brauchbare Zielposition zu gewinnen. Iron Nest verlangt damit häufiger die Denkweise eines Ermittlers als die Reflexe eines Kanoniers.
Das ist erstaunlich befriedigend, weil di