// EUROGAMER.DE — GAMING
Spider-Man: Brand New Day liefert fulminante Action und tiefe Emotionen im Stil der alten Raimi-Klassiker
Spider-Man: Brand New Day liefert emotionale Tiefe und großartige Action, leidet aber minimal unter seinem MCU-Gepäck. Eine gute Zeit habt ihr trotzdem.
Fünf Jahre lang mussten sich Fans gedulden, bis es mit der freundlichen Spinne aus der Nachbarschaft weitergeht, nachdem No Way Home ebenso tragisch wie emotional endete. In dieser Zeit sind unzählige Fantheorien entstanden, doch Regisseur Destin Daniel Cretton umschifft diese Erwartungshaltungen geschickt. Am Ende bleibt ein Film, der wundervolle Actionsequenzen mit tiefgreifenden Fragen nach Identität und Einsamkeit verbindet. Dennoch leidet das Werk minimal unter der schieren Menge an Themen, die den einzelnen Aspekten etwas wenig Raum zum Atmen lassen.
Spider-Man: Brand New Day ist der vierte Solo-Film mit Tom Holland im Marvel Cinematic Universe. Nach den tragischen Ereignissen von Spider-Man: No Way Home muss sich Peter Parker in New York ein komplett neues Leben aufbauen, da die Welt durch einen Zauber seine wahre Identität vergessen hat. Ohne finanzielle Mittel oder prominente Unterstützer kehrt der Held zu seinen Wurzeln als freundliche Spinne aus der Nachbarschaft zurück.
Wir beginnen mit einer Montage, die Peters Alltag und die drastischen Konsequenzen aus No Way Home aufzeigt. Zur Erinnerung: Die gesamte Welt hat vergessen, wer Peter Parker ist. Selbst seine große Liebe MJ und sein bester Freund Ned erkennen ihn nicht mehr. Obwohl Peter versprochen hatte, sie zu finden, entschied er sich letztlich dafür, sie zu ihrem eigenen Schutz in Ruhe zu lassen.
So treffen wir auf einen Peter Parker, der sein Spider-Man-Dasein über alles stellt, nur noch für seinen Job lebt und seinem alten Leben hinterhertrauert. Mehr als Verbrechen zu bekämpfen, Tante Mays Grab zu besuchen und seine ehemaligen Freunde in den sozialen Medien zu stalken, bleibt ihm nicht.
Diese ersten Minuten setzen wunderbar den Grundton des Films, der sich stark auf Vereinsamung und Identität fokussiert. Als Spider-Man-Fan gefällt mir das extrem gut, auch wenn sich die erste Hälfte etwas zieht, denn es vergehen gute 60 bis 90 Minuten, bis der Film richtig in Fahrt kommt. Hier wird spürbar, dass wir uns im MCU befinden und das größere Narrativ rund um Avengers: Doomsday vorbereitet werden muss. Ohne diesen Ballast wären vielleicht zwei Filme möglich gewesen, die die Thematiken gestaffelter und ausgereifter erzählen. Einige Plotpunkte wirken dadurch eher wie das Abhaken einer Checkliste. Das fällt aber nur bei intensiver Auseinandersetzung auf. Für einen packenden Kinoabend reicht es allemal.
Damit kommen wir zu den stärksten Aspekten des Films, die stark an Sam Raimis Spider-Man 2 erinnern. Wer dieser Ära hinterhertrauert, kommt hier gut auf seine Kosten. Peters Vernachlässigung seines zivilen Lebens hat Konsequenzen, die weit über organische Webshooter hinausgehen. Comic-Kenner werden hier sofort Parallelen zu einigen Handlungsbögen erkennen.
Brand New Day zeigt eindrucksvoll, was aus Spider-Man werden könnte, wenn ihm das große Herz von Peter Parker fehlt. Um menschlich zu bleiben, braucht er genau die Kontakte, die er im letzten Film aufgeben musste. Die Konfrontation mit seinem alten Leben führt zu hochemotionalen Szenen mit Zendayas MJ und Jacob Batalons Ned. Sie geben der Schwere der Thematik Raum, sorgen aber gleichzeitig für nötige Leichtigkeit. Die Balance aus Drama und auflockerndem Humor trifft der Film für mich sogar besser als damals Raimis zweiter Teil.
Doch die zweieinhalb Stunden Laufzeit haben eben auch Grenzen und so gibt es auch einige Momente, in denen genau diese Szenen für meinen Geschmack zu schnell aufgelöst werden. Regisseur Cretton hat sich viel vorgenommen, was schlichtweg nicht immer bis ins letzte Detail auserzählt werden kann. Einiges wird wohl erst im nächsten Teil fortgeführt.
Destin Daniel Cretton ist ein US-amerikanischer Filmregisseur und Drehbuchautor, der im Marvel Cinematic Universe bereits für den Hit Shang-Chi und die Legende der zehn Ringe sowie Wonder Man ver