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Bahn-Chefin Palla kritisiert "organisierte Verantwortungslosigkeit"
Verantwortung, die hin- und hergeschoben wird - und kaum Konsequenzen bei Fehlern. Bahnchefin Palla sieht massive Probleme im Management des Staatskonzern und übt ungewöhnlich scharfe Kritik. Sie sieht aber auch "Helden" bei der Bahn.
Bahnchefin Evelyn Palla hat mit scharfen Worten Misstände im eigenen Konzern kritisiert. Es gebe eine "organisierte Verantwortungslosigkeit" im Management, beklagte Palla. Das müsse der Vergangenheit angehören, sagte sie der Wochenzeitung Welt am Sonntag. "Die Leistungskultur der Vergangenheit war für die Performance der Bahn nicht ausreichend, das wollen wir ändern." Zu oft sei Verantwortung hin- und hergeschoben worden zwischen der zentralen Verwaltung und der operativen Ebene vor Ort.
Palla sagte der Zeitung: "Wesentliche Entscheidungen auch zu operativen Verbesserungen wurden häufig zentral in der Konzernleitung getroffen." Diejenigen in der Zentrale, die diese Entscheidungen getroffen hatten, hätten jedoch bislang keine Verantwortung für die Umsetzung in der Fläche getragen.
"Umsetzen mussten es die Kollegen draußen. Die wiederum haben gesagt: Das habe ich nicht entschieden, und das funktioniert bei mir auch nicht." In der Zentrale habe es dann geheißen, die in der Fläche hätten es nicht richtig umgesetzt. "Das war am Ende so etwas wie organisierte Verantwortungslosigkeit."
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Die Managerin kritisierte auch, dass in der Vergangenheit bei mehrfachen Zielverfehlungen kaum Konsequenzen gezogen worden seien. "Man musste nur gut genug erklären, warum die Ziele nicht erreicht werden konnten. Damit kam man oft jahrelang durch." Sie interessiere sich aber nicht für die Erklärung von Problemen, sondern für die Lösung.
Seit ihrer Amtsübernahme im Oktober habe das Unternehmen Bahn "viel umgebaut, verschlankt, ein neues Führungsprinzip mit deutlich mehr dezentraler Verantwortung ausgerufen". Verändern werde sich aber erst etwas, wenn sich das Management verändere und wenn Verantwortung in den dezentralen Einheiten auch wahrgenommen und gelebt werde. Das habe viel mit einer neuen Kultur zu tun. "Und das ist der viel schwierigere Teil beim Neustart der Bahn, und der braucht Mut und Zeit."
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Palla betonte, dass sie mit ihrer Kritik "explizit nicht" die Zugbegleiter, Lokführer, Fahrdienstleiter, Gleisarbeiter und Disponenten meine. "Alle, die jeden Tag mit einer unbefriedigenden Situation kämpfen und viel improvisieren müssen, das sind meine Helden, die die Eisenbahn täglich am Laufen halten."
Schnelle Verbesserungen bei der Pünktlichkeit kann Palla nicht versprechen. "Die Pünktlichkeit bleibt in diesem Jahr weiter schwierig, weil es im Netz einfach noch zu viele Störungen und zudem zu viele Baustellen gibt. Wer hier etwas anderes verspricht, macht den Menschen etwas vor", sagte sie.