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Schiitische Wallfahrt in den Irak: Zwischen Glaube, Politik und Hitze
Jedes Jahr pilgern Millionen Schiiten in die ihnen heilige Stadt Kerbela im Irak. In diesem Jahr fordern Temperaturen von bis zu 45 Grad Pilger und Organisatoren heraus. Beherrschendes Thema ist die Lage im Nachbarland Iran.
Mehrere Männer wuchten Eisblöcke in einen großen Kanister voller Zitronensirup. Abdulhossein Kalateh aus Teheran kommt jedes Jahr nach Kerbela, nicht nur um zu pilgern, sondern auch um die anderen Gläubigen mit kühlen Getränken zu versorgen. "Wie jedes Jahr bereiten wir Zitronenlimonade vor, um sie an die Pilger zu verteilen." Täglich würden sie etwa 1000 Liter ausgeben. "Wir hoffen, dass Gott all denen wohlgesinnt ist, die zu diesem Dienst beigetragen haben", sagt Kalateh.
Der Lohn kommt von Gott, die Getränke werden kostenlos verteilt. Ebenso wie die Fleischspieße, die an einem Stand nebenan im Akkord vorbereitet werden. In diesem Jahr sind in Kerbela besonders viele Menschen zu sehen, die mit Plastikbechern zum festlich beleuchteten Imam-Hussein-Schrein laufen. Kein Wunder, bei Temperaturen von um die 45 Grad.
Die größte Herausforderung dieses Jahr seien die hohen Temperaturen, berichtet einer der Organisatoren der Nachrichtenagentur Reuters. Er listet die Maßnahmen auf, die zum Schutz der Menschenmassen ergriffen wurden: Große Stoffbahnen, die über die Wege gespannt wurden und Sprühnebelanlagen sollen zur Abkühlung beigetragen. Außerdem stünden fast 2.000 Sanitäter an den heiligen Stätten bereit.
Jedes Jahr pilgern mehrere Millionen Schiiten zum Arba’in-Fest ins irakische Kerbela. Arba’in heißt vierzig auf Arabisch und bezieht sich auf die vierzig Tage nach dem Märtyrertod von Hussain, dem Enkel des Propheten Mohammed. Hussain wurde im Jahr 680 in der Schlacht von Kerbela getötet - gefallen im Kampf gegen die militärisch und zahlenmäßig überlegenen Ummayaden.
Das Ereignis vor mehr als 1.300 Jahren ist bis heute identitätsstiftend für gläubige Schiiten, auch in Abgrenzung zur weltweit deutlich größeren Gruppe der Sunniten. Aber, wenn es um Zahlen geht, können wir mehr als mithalten, ist eine Botschaft der Arba’in- Feierlichkeiten. In manchen Jahren sprachen die Organisatoren von über 10 Millionen Pilgern. Das sind mehr als jedes Jahr zur großen Wallfahrt nach Mekka kommen.
Ein Großteil der Pilger in Kerbela kommt aus dem Nachbarland Iran, so wie Abdulhossein Kalateh, der Getränkeverteiler. "Der Iran und der Irak sind Brüder“, sagt er. "Sie müssen immer zusammenstehen, damit keine Supermacht der Welt in der Lage ist, den Iran oder den Irak zu beugen."
Die Supermacht von heute ist auch in Kerbela präsent: eine Frau trägt ein Schild, auf das sie in Arabisch und Englisch geschrieben hat: "Wir werden Trump töten.“
Schiitische Pilger wandern in Nadschaf, Irak, in Richtung der heiligen Stadt Kerbala.
Noch häufiger auf Postern und Fahnen ist Ali Chamenei zu sehen. Der geistliche und politische Führer Irans wurde Ende Februar durch einen israelischen Luftangriff getötet. "Dieses Jahr", sagt ein Mann, der aus Teheran angereist ist, "widmen wir die Pilgerfahrt der Seele unseres Führers Ali Chamenei und denjenigen, die im Krieg getötet wurden.“