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House of the Dragon Staffel 3, Episode 8: Rhaenyra, Helaena und die Schlacht um Stolperstadt
Das Staffelfinale zeigt House of the Dragon von seiner stärksten Seite und legt zugleich schonungslos offen, woran die Serie immer wieder krankt.
Nach der siebten Folge von House of the Dragon hatte ich für das Staffelfinale vor allem einen Wunsch: Bitte gebt den Figuren nachvollziehbare Gründe für ihr Handeln, statt sie wieder nur für die nächste große Wendung in Stellung zu bringen. Folge 8 erfüllt diesen Wunsch nur teilweise. Spektakulär wird es trotzdem, denn Stolperstadt brennt.
George R. R. Martin kritisierte 2024 mehrere Änderungen an seiner Vorlage Feuer und Blut. Er warnte vor einem „Butterfly Effect“: Selbst wenn die Serie nur vermeintlich kleine Details aus der Vorlage streicht, kann das erhebliche Folgen für den weiteren Verlauf der Geschichte haben. Entfernte Bausteine müssen deshalb durch neue, ebenso überzeugende Entwicklungen ersetzt werden. Andernfalls können Figurenentwicklungen und spätere Ereignisse ihre erzählerische Grundlage verlieren.
Das Finale der dritten Staffel ist handwerklich herausragend und in seinen besten Momenten tatsächlich überwältigend. Gerade die große Schlacht zeigt erneut, auf welchem Niveau diese Produktion arbeitet. Hunderte Statisten kämpfen zwischen brennenden Befestigungen, Drachen ziehen über die Mauern, Nahkämpfe brechen an mehreren Fronten gleichzeitig aus. Regisseur Andrij Parekh verliert dabei nie die Kontrolle über das Geschehen: Die Schlacht bleibt lesbar, obwohl sie immer weiter eskaliert. Showrunner Ryan Condal bezeichnete die Folge selbst als das Beste, was die Serie bislang produziert habe. Die Dreharbeiten in Stolperstadt waren laut Condal sogar noch aufwendiger als die gigantische Schlacht in der Gurgel zu Beginn der Staffel. Umso deutlicher fällt auf, dass die Erzählung mit der Inszenierung nicht immer Schritt hält.
Rhaenyra erfährt, dass Aegon noch lebt und auch Sonnfeuer wieder fliegt. Der Drache hat bereits ihre Truppen angegriffen. Für Rhaenyra ist das gleich doppelt problematisch, denn sie hatte Aegons Tod längst verkündet, obwohl es dafür nie einen eindeutigen Beweis gab.
Rhaenyras Reaktion passt zu einer Entwicklung, die House of the Dragon in dieser Staffel zunehmend vorantreibt. Die Königin entfernt sich immer weiter von jener Herrscherin, die zivile Opfer möglichst vermeiden wollte. Daemon redet ihr ein, Westeros verstehe letztlich nur Stärke, und Rhaenyra beginnt, diesen Gedanken bereitwillig zu übernehmen – vielleicht ein wenig zu bereitwillig. Und Baela muss feststellen, dass es für ihren in Stolperstadt gefangenen Großvater Corlys nicht einmal einen Rettungsplan gibt. Mysaria fällt ebenfalls in der Gunst der Königin und wird kurzerhand nach Pentos verbannt. Fast hätte ich es vergessen: Dass Rhaenyra in Helaena längst eher eine Gefangene als eine Schwester sieht, ist nicht neu. Das Finale macht es nur noch deutlicher.
Dass Macht Rhaenyra verändert, ist grundsätzlich eine interessante und nachvollziehbare Entwicklung. Mein Problem ist nicht das Ziel, sondern der Weg dorthin. Die Serie beschleunigt ihren moralischen Absturz derart, dass innerhalb weniger Folgen beinahe eine andere Figur aus ihr wird. Hätten die Drehbuchautoren einen Fluch erfunden, der seine Opfer irrational und inkompetent macht, wäre das kaum unglaubwürdiger gewesen. Immerhin hätten wir dann eine Erklärung dafür, warum Figuren wie Rhaenyra und Aemond plötzlich wie ausgewechselt wirken.
Aemond war vor Kurzem noch ein unerbittlicher, machtbesessener Killer mit ausgeprägtem Mutterkomplex und wird nun von Schuldgefühlen und Selbstzweifeln zerlegt. Rhaenyra wiederum wirkte zwei Staffeln lang wie die vernünftigste unter den Anwärtern auf den Eisernen Thron. Jetzt lässt sie Kirchenoberhäupter abschlachten, weil sie ihr die Salbung verweigern, tritt anschließend vor ihr Volk und erklärt mit Verweis auf die Prophezeiung, sie selbst sei der versprochene Prinz. Dass ihr Augen-Make-up dabei aussieht, als hätte die Visagistin früher Feierabend gemacht, unterstreicht den seltsamen Wandel perfek