// EUROGAMER.DE — GAMING
Der Tempel-Trick in Path of Exile 2 zwang die Entwickler zur Arbeit an Weihnachten
Eine endlose Gelddruckmaschine zwang Co-Director Mark Roberts über die Feiertage zu Notfall-Patches, um die Wirtschaft des Action-Rollenspiels zu retten.
Während andere Menschen an Weihnachten Geschenke auspackten, musste Mark Roberts die Wirtschaft von Path of Exile 2 retten. Der Co-Director des Action-Rollenspiels erinnert sich nur ungern an einen besonders lukrativen Tempel-Trick, mit dem Spieler innerhalb weniger Tage zu Millionären wurden. Die Folgen waren so gravierend, dass Grinding Gear Games seine Feiertagspause unterbrechen und mehrere Notfall-Patches veröffentlichen musste.
Ausgangspunkt war der Atziri-Tempel, den Grinding Gear Games in einer früheren Saison eingeführt hatte. Spieler können dort eigene Dungeons erstellen, indem sie verschiedene Räume auf einem großen Raster miteinander verbinden. Eigentlich sollte das System zu einem neuen Boss und exklusiver Beute führen. Die Community erkannte jedoch schnell, dass sich daraus eine deutlich effizientere Einnahmequelle bauen ließ.
Dafür hielten Spieler einen Charakter gezielt in der Kampagne fest und setzten einen bestimmten Abschnitt immer wieder zurück. Durch eine lange Kette miteinander kombinierter Räume ließ sich verhindern, dass wichtige Bereiche nach einem Durchlauf verschwanden. Der Tempel konnte dadurch nahezu unbegrenzt weiterwachsen und spuckte erheblich mehr wertvolle Gegenstände aus als vorgesehen.
Die Wirtschaft der laufenden Saison geriet entsprechend schnell aus dem Gleichgewicht. Roberts erklärte nun, der Atziri-Tempel habe ihm „Weihnachten ruiniert“. Seitdem erfasse das Studio deutlich mehr Statistiken darüber, wie viele Gegenstände in einzelnen Instanzen droppen.
Besonders bitter: Noch während des Interviews mit Zizaran zeigte ihm ein Kollege, dass Spieler bereits eine neue Tempelstrategie entwickelt hatten, die die Wirtschaft empfindlich störte. Auf dem internen Hinweis stand in Großbuchstaben sinngemäß: „Tempel-Unfug, Priorität 1, nach dem Interview.“ Nur wenige Stunden später veröffentlichte Grinding Gear Games einen weiteren Patch.
Grinding Gear Games vermeide normalerweise größere Eingriffe während einer laufenden Saison. Schließlich investieren Spieler viel Zeit in ihre Charaktere und Strategien. Sobald einzelne Methoden jedoch derart viel Beute abwerfen, dass sie die gesamte Handelswirtschaft gefährden, bleibe dem Studio kaum eine andere Wahl.
Roberts scherzte, er habe inzwischen jedes Mitgefühl für den Tempel und jene verloren, die ihn ausnutzen. Abschaffen oder vollständig entschärfen wolle er das System deshalb aber nicht. Die Erfahrung habe dennoch Spuren hinterlassen.