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Gedenken an Mauerbau - Warnung vor Geschichtsvergessenheit
Vor 65 Jahren begann der Bau der Mauer in Berlin. Bei der zentralen Gedenkfeier haben Spitzenpolitiker dazu gemahnt, die Erinnerung an die deutsche Teilung wachzuhalten - und vor einer Verklärung der Geschichte gewarnt.
Zum 65. Jahrestag des Mauerbaus ist bei einer zentralen Gedenkfeier in der Bernauer Straße in Berlin-Mitte an die Opfer der deutschen Teilung erinnert worden. Rund 120 Gäste aus Politik, Kultur und Gesellschaft nahmen an der Veranstaltung teil, darunter Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (beide CDU) und Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos).
"Die frühere Grenze ist fast unsichtbar geworden", sagte Klöckner in ihrer Rede. "Und doch ist sie da. Die Mauer hat in Deutschland Spuren gezogen, die unsere Wege heute noch beeinflussen." Zwar sei die Mauer 1989 gefallen, sie scheine aber häufig noch in den Köpfen zu stecken. "Politische Fragen werden auf beiden Seiten manchmal sehr unterschiedlich beantwortet: Migration, Corona, der Umgang mit Russland", so Klöckner. "Wir müssen aus unserer Geschichte lernen. Wir dürfen uns nicht in ihr verlieren."
"Die Mauer teilte nicht nur die Bernauer Straße, nicht nur Berlin. Sie teilte Deutschland, Europa. Und sie teilte die Welt", so die Bundestagspräsidentin. Sie rief dazu auf, dass die Menschen in Deutschland einander zuhören sollten. In der Kapelle der Versöhnung würdigte Klöckner auch die Mauertoten und erinnerte etwa an Günter Litfin, der als erstes Opfer des Schießbefehls gilt.
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Kulturstaatsminister Weimer warnte vor einer Instrumentalisierung des SED-Regimes: "Links- wie Rechtsextreme versuchen derzeit, die DDR gezielt zu verharmlosen. Doch das SED-Regime war eine brutale Diktatur ohne freie Wahlen, ohne Pressefreiheit, ohne Reisefreiheit, dafür aber mit Stasi, Folterkellern und Todesstreifen an der Mauer."
Auch Weimer forderte ein regelmäßiges Gedenken an die Opfer der DDR: "Da immer mehr Zeitzeugen sterben, sind Orte der Erinnerung besonders wichtig", sagte er. "Wenn die Erinnerung an die SED-Diktatur verblasst und das Unrecht und die Verbrechen verharmlost werden, beginnt Geschichtsvergessenheit. Eine freie Gesellschaft darf das nicht zulassen."
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Bundeskanzler Friedrich Merz rief auf der Onlineplattform X zur Verteidigung der Demokratie auf. "Die Lektion der Mauer bleibt: Freiheit und Demokratie sind nicht selbstverständlich. Wir müssen immer dafür kämpfen", so der CDU-Chef. Er wies zugleich darauf hin, dass die Menschen heute "in Frieden und Freiheit" leben könnten: Deutschland sei inzwischen länger vereint, als es durch die Mauer geteilt gewesen sei.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bezeichnete den Bau der Mauer durch die DDR-Führung als "das Zeugnis eines hoffnungslosen Scheiterns". Er schrieb auf X: "Vor 65 Jahren riegelte die SED-Diktatur Berlin ab. Die Mauer teilte eine lebendige Stadt, Familien, Freundschaften und Leben." Steinmeier erinnerte daran, dass "mindestens 260 Menschen an der Mauer ihr Leben durch das DDR-Grenzregime verloren".