// TAGESSCHAU WIRTSCHAFT — FINANZA
Niedrigwasser: "Gegen fehlendes Wasser hilft keine Technik"
Das Niedrigwasser in den Flüssen wirkt sich auch auf die Kraftwerke in Deutschland aus. Das Wasserkraftwerk in Reckingen am Hochrhein produziert weniger Strom. Der Klimawandel dürfte das Problem verschärfen.
Wenn Kraftwerksleiter Thomas Häfeli bei Reckingen auf den Rhein schaut, dann sieht er so wenig Wasser wie noch nie. Er lehnt sich über das Geländer und zeigt ans andere Ufer. Dort ist eine Verfärbung zu sehen, an der man erkennen kann, wo normalerweise das Wasser steht. "Normalerweise steht das Wasser gerade bündig mit dieser Kante", sagt Häfeli. Jetzt dagegen stehe das Wasser ungefähr 1,50 Meter tiefer als üblich.
Am deutsch-schweizerischen Wasserkraftwerk Reckingen am Hochrhein wird seit 1941 aus Wasserkraft Strom gewonnen. Laufwasserkraftwerke wie hier sind abhängig davon, wie viel Wasser ein Fluss führt. Sinkt der Pegel, heißt das: Es läuft weniger Wasser durch die Turbinen und es wird weniger Strom produziert. Aktuell sogar viel weniger: Eigentlich sollten 500 Kubikmeter Wasser pro Sekunde abfließen, stattdessen sind es um die 160. Die Folge: Das Kraftwerk produziert gerade mal ein Drittel der üblichen Strommenge.
"Das tut mir natürlich im Herzen weh, wenn ich keine Energie produzieren kann oder weniger Energie produzieren kann", sagt Betriebsleiter Häfeli.
Die Pegel vieler Flüsse sind historisch niedrig, die Lage für die Binnenschifffahrt kritisch.
mehr
Dass Niedrigwasser häufiger zum Problem für Anlagen wie die in Reckingen wird, bestätigt auch der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Der Verband beobachtet, dass sowohl extrem feuchte als auch trockene Perioden mit steigender Tendenz auftreten.
Gerade für die Wasserkraft seien die Pegelstände eine wesentliche Größe, heißt es vom BDEW weiter. "Diese werden hauptsächlich von Niederschlägen, aber auch von der Schneeschmelze im Frühjahr beeinflusst", so der Verband auf Anfrage von tagesschau.de. Bisher habe das saisonale Schmelzen der Gletscher in den Sommermonaten Pegelstände in diesen trockenen Monaten stabilisiert. Durch den langfristigen Rückgang von Gletschern würden niedrige Pegelstände in den Sommermonaten aber voraussichtlich häufiger, heißt es weiter.
Die Wasserknappheit an deutschen Flüssen führt nicht nur zu Problemen bei der Schifffahrt. Ein Überblick.
mehr
Ob und wie sich Niedrigwasser auf ein Kraftwerk auswirkt, hängt laut dem Verband von der jeweiligen Technologie zur Energiegewinnung und dem Kraftwerkstyp ab. So seien etwa moderne Gas- und Kohlekraftwerke betroffen, wenn sie mit einem Kühlsystem mit Wasser arbeiten. Dabei wird etwa kaltes Wasser aus einem Fluss durch das Kraftwerk gepumpt, um abzukühlen. Solche Mechanismen kommen auch in Atomkraftwerken vor.
Und auch für die Belieferung von Steinkohlekraftwerken sind Flüsse demnach relevant, weil Steinkohle an vielen Standorten effizient über den Wasserweg beschafft wird. Durch die sinkenden Wasserstände können die Schiffe nur geringer beladen werden.