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KI macht Teams schneller – leider auch bei schlechten Prozessen
Agentic Engineering im Großkonzern: Was klingt wie ein Experiment, ist bei SAP gelebte Praxis. Oliver Nocon und Lukas Heimann berichten über KI in der Praxis.
„Vibe Coding“ polarisiert: Für die einen ist es der überfällige Produktivitätssprung, für die anderen ein Synonym für unkontrollierten KI-generierten Code. Bei SAP hat man sich entschieden, den Begriff ernst zu nehmen – und ihn mit klaren Strukturen zu unterlegen. Oliver Nocon und Lukas Heimann, beide im Bereich Developer Experience bei SAP tätig, zeigen auf der CLC-Konferenz 2026, wie Agentic Engineering im Konzernmaßstab funktionieren kann: mit der internen Plattform Hyperspace als zentralem Enabler.
Oliver Nocon stand vor der Frage "Wie skaliert man KI sicher für 25.000 Entwickler?" Oliver hat dieses Szenario bei SAP Realität werden lassen. Als Produktmanagement Lead nutzt er die Prinzipien von Continuous Delivery, um die Balance zwischen Entwickler-Freiheit und Governance zu schaffen und zu zeigen, wie aus Trends wie „Vibe Coding“ echter Unternehmenswert entsteht.
Lukas Heimann ist System Architect für die KI-Themen in SAPs interner Developer Platform für Cloud-Entwicklung. Sein Fokus: KI-gestützte Entwicklung sicher und skalierbar in den Konzernalltag bringen – nicht nur schneller, sondern nachhaltig besser im Sinne des DORA-Frameworks.
heise developer: „Vibe Coding“ klingt für viele erfahrene Entwicklerinnen und Entwickler erst mal nach Kontrollverlust. Was bedeutet der Begriff bei SAP konkret – und wo verläuft die Grenze zwischen Produktivitätsgewinn und Wildwuchs?
Oliver Nocon: Die Frage nach dem Kontrollverlust trifft genau den Punkt — und ich würde sie direkt umdrehen: Für mich steht „Vibe Coding“ nicht für Kontrollverlust, sondern für die Herausforderung, Kontrolle in einem Umfeld zu behalten, das sich in Rekordgeschwindigkeit verändert.
Ich verstehe „Vibe Coding“ eher weiter gefasst – so, wie es auch Gene Kim und Steve Yegge in ihrem Buch mit genau diesem Titel darlegen. Für mich steht „Vibe Coding“ gleichbedeutend mit „Agentic Engineering“, einer modernen Arbeitsweise, in der KI den Großteil des Codes schreibt, aber Menschen als Reviewer und Architekten die Kontrolle behalten.
Den Begriff haben wir bewusst provokant gewählt, weil er auf der CLC-Konferenz 2026 genau die Gespräche auslöst, die wir für notwendig halten.
Bei SAP beantworten wir diese Frage mit Hyperspace — unserer internen Entwicklungsplattform, die genau diese Balance zwischen Mensch und KI halten soll. Die Grenze zwischen Produktivitätsgewinn und Wildwuchs liegt für uns nicht in der Technologie selbst, sondern in der Plattform, die drumherum gebaut ist. Das DORA AI Capabilities Model bestätigt, was wir in der Praxis sehen: Teams, die am meisten von KI profitieren, arbeiten in kleinen, schnellen Zyklen, sind nah am Kunden — und werden von einer soliden internen Plattform unterstützt, die ihnen Leitplanken gibt, ohne sie zu bremsen. Genau das ist der Anspruch von Hyperspace: nicht Kontrolle durch Einschränkung, sondern Kontrolle durch gutes Design.
Mehr zu Agentic AI, digitaler Souveränität und weiteren Themen finden interessierte Developer, Software-Architekten, DevOps- und Platform-Engineering-Teams auf der CLC-Konferenz vom 11. bis 12. November 2026 in Mannheim.