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Ukraine-Krieg: Wie Forensiker den Toten ihre Namen zurückgeben
Im Ukraine-Krieg sterben jeden Tag Menschen - was bleibt, sind oft nur Knochen. Ukrainische Forensiker versuchen, den Toten ihre Namen zurückzugeben und Angehörigen Gewissheit zu geben. Eine Arbeit, die zermürbt.
Vor Ihor Tytartschuk liegen die Knochen eines jungen Soldaten. Ein Schädel, Teile des Beckens, Rippen, Knochen von Armen und Beinen. Viel ist von ihm nicht geblieben. Seinen Namen kennt hier niemand.
Tytartschuk nimmt einen Knochen in die Hand und zeigt auf die Stellen, an denen sich das Alter des Toten abschätzen lässt. Es gebe kaum Verknöcherungen, erklärt der Gerichtsmediziner. "Das war ein junger Mann. Maximal 23 Jahre alt."
Wer war er? Woher kam er? Wann genau starb er? Und wartet irgendwo eine Mutter, ein Vater, eine Partnerin darauf, dass er zurückkehrt? Es sind Fragen, die in der Gerichtsmedizin von Dnipro jeden Tag gestellt werden.
Reportage
16.08.2026
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Die ostukrainische Millionenstadt liegt nur etwa hundert Kilometer vom Frontgebiet und den aktiven Kämpfen entfernt. Verwundete Soldaten werden hier in Krankenhäusern behandelt, Militärfahrzeuge gehören zunehmend zum Straßenbild. Und hierher gelangen viele der Toten aus den umkämpften Gebieten im Osten und Süden des Landes.
Manche werden kurz nach ihrem Tod geborgen. Andere liegen Wochen oder Monate auf dem Gefechtsfeld, bevor ihre Körper eingesammelt werden können. Wieder andere werden erst Jahre später gefunden oder im Rahmen von Austauschen aus Russland zurückgebracht. Selten kommen nahezu unversehrte Körper an. Oft zerfetzte Überreste. Manchmal nur einzelne Knochenfragmente oder Asche.
"Jeden Tag kommen Tote zu uns", sagt Tytarshuk. "Denn die Kämpfe dauern an. Der Krieg macht keine Pause. Es gibt keine Wochenenden, keine Feiertage, keinen Urlaub."
Tytartschuk leitet eine der gerichtsmedizinischen Abteilungen in Dnipro. Seit Beginn des russischen Großangriffs im Februar 2022 ist die Identifizierung der Toten zu einer gewaltigen Aufgabe geworden. Rund 30.000 Fälle konnten offiziellen ukrainischen Angaben nach allein im vergangenen Jahr geklärt werden.