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Tim Cook: Sein Vermächtnis und Apples US-Strategie
In einem Interview reflektiert der scheidende Apple-CEO Tim Cook über sein Vermächtnis. Dabei gibt er sich in gewohnter Weise bescheiden.
Gut und anständig. So wünscht sich Apples scheidender CEO Tim Cook einst beschrieben zu werden, wenn auf seine Amtszeit zurückgeblickt wird. In einem Interview mit dem US-Fernsehsender CBS gab sich Cook jetzt bei der Frage nach seinem Vermächtnis bescheiden. Das müssten andere festlegen, sagte er der Journalistin Jo Ling Kent. Cook wurde im US-amerikanischen Advanced Manufacturing Center Apples interviewt. Im Schwerpunkt ging es um das von der US-Regierung forcierte stärkere Engagement im Heimatland Apples.
Cooks zurückhaltende Antwort dürfte langjährige Beobachter kaum überraschen. Schon sehr früh in seiner Amtszeit machte er deutlich, dass er selbst nicht mehr als nötig im Vordergrund stehen möchte. Die Vorstellung neuer Produkte wurde mehr und mehr zu einer auf vielen Schultern verteilten Veranstaltung, der Cook qua Amtes den Rahmen mit Begrüßung, Zusammenfassung und Verabschiedung gab. Folglich möchte er auch jetzt keine Lex Cook ausrufen.
Nun steht Cooks eigene Verabschiedung bevor – zumindest als CEO, denn Cook wird Apple ab dem 1. September als neuer Vorsitzender des Boards weiterhin aktiv begleiten und soll unter anderem den schwierigen Dialog mit Regierungen übernehmen. Der neue CEO John Ternus kann sich so voll und ganz auf die anderen Aufgaben konzentrieren. Seine Feuertaufe wird voraussichtlich die Vorstellung neuer iPhones im September sein. Bereits bei der WWDC-Keynote im Juni hatte Cook seinen Abschied offiziell eingeläutet – es war seine letzte große Präsentation als Apple-Chef. Die Hintergründe des CEO-Wechsels bei Apple beleuchtet ein ausführlicher Hintergrundartikel.
Die Diplomatie könnte tatsächlich Teile der Amtszeit von Cook überschreiben, der vorher vor allem als Logistik-Genie galt. Gerade in den letzten Jahren wurde der Brückenschlag zwischen den Interessen und Vorstellungen des iPhone-Herstellers und Administrationen rund um den Erdball immer herausfordernder, egal ob in der EU, in China oder in den USA. Cook musste hier auch viel Kritik einstecken, wie nach seinem goldenen Gastgeschenk an US-Präsident Donald Trump. Aber er konnte auch etliche Erfolge verbuchen – die Zahlen des Unternehmens sind durch das Hin und Her um Einfuhrzölle in den USA, Regulierungsmaßnahmen in vielen Ländern und Chinas Politik, Erzeugnisse aus dem eigenen Land zu bevorzugen, bislang nicht ernsthaft in Mitleidenschaft gezogen worden.
Cook schaffte bislang auch den Spagat, Begehrlichkeiten der US-Regierung nach einer Fertigung komplett in den USA mit einzelnen Zugeständnissen und Milliardeninvestitionen zu befriedigen. In dem jetzt in einem Fertigungswerk in Texas aufgenommenen Interview weicht Cook der Frage aus, wann wohl die Mehrheit der Apple-Geräte in den USA gefertigt werde, und verweist stattdessen auf eine steigende Zahl von Einzelkomponenten, die dort hergestellt werden, namentlich das Deckglas des iPhones aus Kentucky und das System-on-a-Chip für „viele“ iPhones aus Arizona. Weitere Bauteile kämen aus 12 Bundesstaaten, verteilt auf 24 Fabriken, betont er.
Cook beziffert die Zahl der von Apple in den USA unterstützten Arbeitsplätze bei Zulieferern und Partnern auf 450.000. Im Doppelinterview mit Nachfolger John Ternus kurz vor der Amtsübergabe zeigte sich Cook dankbar für 15 Jahre als Apple-Chef und überzeugt von Ternus' Führungsqualitäten. An dem Standort in Texas soll noch in diesem Jahr die Produktion des Mac mini anlaufen. Wer sich das Video anschaut, kann Cook überdies in einem für ihn seltenen Outfit sehen: Passend zum Anlass ist er im Anzug mit Krawatte zu sehen.
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