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Riesenkrokodil jagte offenbar große Pflanzenfresser im Miozän
Im mittleren Miozän gingen riesige Kaiman-Verwandte im Norden Südamerikas offenbar selbst auf sehr große Huftiere los. Bissspuren an vier Fossilien aus La Venta in Kolumbien weisen vor allem auf Purussaurus neivensis als Verursacher hin. Die Funde liefern erstmals direkte physische Belege für solche Räuber-Beute-Interaktionen zwischen Krokodilartigen und großen Huftieren in diesem artenreichen Ökosystem.
Helsinki (Finnland). Vor rund zwölf Millionen Jahren war die heutige Tatacoa-Wüste im Süden Kolumbiens eine von Flüssen, Überschwemmungsflächen und Feuchtgebieten geprägte Landschaft. In der Fossilgemeinschaft von La Venta sind 156 Wirbeltierarten bekannt, darunter neun Krokodyliformen, also Vertreter der größeren Verwandtschaftsgruppe der heutigen Krokodile. Frühere Analysen der Räuber-Beute-Verhältnisse hatten bereits vermuten lassen, dass diese Reptilien eine ungewöhnlich wichtige Rolle bei der Jagd auf große Säugetiere spielten. Direkte physische Belege für solche Interaktionen mit großen Huftieren fehlten in La Venta bislang.
„Es gab so viel Beute, dass Säugetierraubtiere unmöglich alles hätten fressen können“, sagt Oscar E. Wilson.
Wilson von der University of Helsinki und acht Kollegen haben nun vier Fossilien von drei großen Pflanzenfresserarten untersucht. Die Stücke liegen in vier paläontologischen Sammlungen in Kolumbien, Frankreich und den U.S.A. und wurden nicht eigens für eine systematische Suche nach Bissspuren ausgewählt. Je nach Fossil nutzte das Team Fotografien, dreidimensionale Modelle und bei einem Unterkiefer zusätzlich Computertomografie. Außerdem verglichen die Forscher einzelne Einstiche mit Purussaurus-Zähnen und schätzten Körpermassen sowie die Mindestkraft, die zum Eindrücken frischen Knochens nötig war.
Zu den Beutetieren gehörten Pericotoxodon platignathus sowie Xenastrapotherium kraglievichi und Granastrapotherium snorki. Aus Knochen- und Zahnmaßen leiten die Autoren Körpermassen von rund 616 Kilogramm bis 1.822 Kilogramm ab. Besonders auffällig ist ein 29,2 mal 27,0 Millimeter großer Einstich im Stirnbein eines Pericotoxodon-Schädels. Zwei Astrapotherien-Unterkiefer tragen weitere Einstiche und deutliche Knochenverformungen, auf einem Pericotoxodon-Oberschenkelknochen liegen mehrere kleinere Einstiche in Reihe.
Die große Kopfverletzung passt zudem zur Größe erwachsener Purussaurus-Zähne, deren Basisdurchmesser in der Vergleichssammlung zwischen 19,6 und 43,7 Millimeter lagen. Auch die Form mehrerer Einstiche mit einander gegenüberliegenden Kanten weist auf gekielte Zähne hin, wie sie Purussaurus besaß. Zusammengenommen sprechen diese Merkmale dafür, dass der Riesenkaiman die Spuren an mehreren der Fossilien hinterließ.
„Unsere neue Studie zeigt, dass insbesondere Krokodile die wichtigsten Raubtiere der Region waren, vor allem bei der Jagd auf große Beutetiere“, erklärt Oscar E. Wilson.
Purussaurus neivensis war ein rund sieben Meter langer und etwa 1,8 Tonnen schwerer Verwandter der Kaimane. Bei Reihen mehrerer Zahnmarken summieren sich die aus der Druckfestigkeit frischen Knochens berechneten Mindestkräfte einzelner Zähne auf mehr als 40.000 Newton und in manchen Fällen auf annähernd 70.000 Newton. Diese Werte sind keine direkt gemessenen Bisskräfte, sondern Näherungen, weshalb die Autoren sie zusammen mit Form, Größe und Anordnung der Spuren bewerten.
Ganz eindeutig ist die Zuordnung trotzdem nicht bei jedem Fossil. Bei dem Xenastrapotherium-Unterkiefer lässt sich der Verursacher der großen Einstiche allein anhand der Spuren nicht bis zur Art bestimmen. Größe, lineare Anordnung und die ökologischen Vergleichsdaten sprechen laut Studie dennoch für einen großen Krokodilartigen, wobei Purussaurus als wahrscheinlichster Kandidat gilt.
Ob ein Raubtier ein Tier tötete oder erst an dessen Kadaver fraß, lässt sich an Fossilien oft nicht eindeutig trennen. An keinem der vier Stücke ist Knochenheilung zu erkennen. Drei tragen die markantesten Spuren an Schädel oder Unterkiefer, und deren Lage ä