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Ausgebeutet für Sanifair? Schmutzige Geschäfte mit sauberen Toiletten
Es sind schwere Vorwürfe, die Reinigungskräfte bei Report Mainz erheben. Sie schildern, in Sanifair-Toilettenanlagen täglich zwölf Stunden arbeiten zu müssen. Sieben Tage die Woche. Dafür erhielten sie einen Stundenlohn von rund fünf Euro.
"Sie haben keine Ahnung, was wir jeden Tag durchmachen und wie wir gedemütigt werden. Wir werden wie Tiere behandelt. Am Ende werfen sie dich weg wie einen nutzlosen Gegenstand." Diesen Hilferuf hatte eine Reinigungskraft an Report Mainz geschickt. Wochenlang stand der Mann aus Bulgarien mit dem ARD-Politikmagazin in Kontakt. Er will nicht erkannt werden, aus Angst um seinen Job. Zu seinem Schutz nennen wir ihn Anton.
Er reinigt nach eigenen Angaben seit mehr als einem Jahr Sanifair-Toiletten an einer Tank-&-Rast-Anlage. Jeden Tag zwölf Stunden. Trotz für ihn unzumutbarer Arbeitsbedingungen müsse er weitermachen. Denn er wohne in der Unterkunft seines Arbeitgebers und habe Angst, auf der Straße zu landen.
Um die Aussagen zu überprüfen, dokumentierte Report Mainz selbst an mehreren Raststätten bundesweit, wie lange Reinigungskräfte dort arbeiten. Diese Recherchen ergaben: Tatsächlich sind die Personen an den dokumentieren Raststätten täglich zwölf Stunden im Einsatz. Mehrere Reinigungskräfte berichten zudem von einem Stundenlohn von rund fünf Euro. Das liegt deutlich unter dem tariflichen Mindestlohn für Gebäudereiniger von 15 Euro pro Stunde.
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Wer an Raststätten der Tank-&-Rast-Gruppe die Toilette nutzt, zahlt einen Euro beim Tochterunternehmen Sanifair und erhält dafür einen Wertbon. Anton arbeitet jedoch nicht direkt für Sanifair, sondern für eine Firma aus Bulgarien. Das Subunternehmen reinigt für Raststättenpächter Sanifair-Toiletten. Laut Vertrag ist Anton als freiberuflicher Mitarbeiter tätig.
Report Mainz hat die Recherchen einem Arbeitsrechtler vorgelegt. Florian Rödl hält das Beschäftigungsverhältnis für eine abhängige Beschäftigung. "Das ist einfach strafbarer Betrug. Und da wir es hier nicht mit einem Einzelfall zu tun haben, ist es ein Betrug in großem Stil, der eigentlich auch hohe Strafdrohungen auf sich ziehen müsste", so Rödl.
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21.04.2026
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Bevor Anton zu Sanifair kam, hatte er nach eigenen Angaben Toiletten in Einkaufszentren gereinigt. Sein damaliger Chef sei Svetoslav P. gewesen. Ein Unternehmer, der an diesem Montag in Koblenz zu fünf Jahren und sechs Monaten Haftstrafe verurteilt wurde. Die Vorwürfe: Steuerhinterziehung, Vorenthalten und Veruntreuen von Arbeitsentgelt sowie gewerbs- und bandenmäßiger Menschenhandel.