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VW schwört Belegschaft auf Sparkurs ein
Direkt nach der Sommerpause stehen bei VW mehrere Betriebsversammlungen an. Alles dreht sich um die massiven Sparpläne.
Konzernchef Oliver Blume hat kurz vor einer Serie von Betriebsversammlungen auf die angespannte Situation für den größten Autobauer Europas gepocht. „Die Lage ist mehr als kritisch“, sagte der Konzernchef in einem Interview, das im Intranet des Unternehmens veröffentlicht wurde.
Der Konzern sei zwar handlungsfähig, habe aber auch akuten Handlungsbedarf, sagte Blume. Der Vorstandschef verwies etwa auf 3,8 Prozent operative Rendite, die in dieser anspruchsvollen Situation zwar solide seien. „Aber sie reichen bei weitem nicht aus, um dauerhaft ausreichende Mittel zu erwirtschaften für neue Technologien, neue Produkte und unsere Standorte“.
Weit davon entfernt ist auch Blumes Ziel für 2030: Acht bis Zehn Prozent Umsatzrendite und einen deutlich höheren Netto-Cashflow soll der Konzern bis dahin erreichen, heißt es in einer Pressemitteilung. Ein „Wolkenkuckucksheim“ nannte IG-Metall-Chefin Christiane Brenner, die auch zum VW-Konzernaufsichtsrat gehört, diese Idee jetzt. „Wie soll denn der Volkswagen-Konzern unter den derzeitigen geopolitischen Bedingungen eine operative Umsatzrendite von neun Prozent schaffen, von der in den Medien zu lesen war?“, sagte Brenner am Freitag der Wirtschaftswoche (WiWo). Wenn der Vorstand solche Ziele ausgebe, dann habe das massive Rückwirkungen auf die Modellpolitik und die Werke.
Die Zahl der Modelle im Konzern soll bereits schrittweise um bis zu 50 Prozent schrumpfen, die Anzahl möglicher Ausstattungsoptionen um bis zu 75 Prozent sinken, kündigte der Konzern im Juli nach einer Aufsichtsratssitzung in Wolfsburg an. Bevor der Aufsichtsrat den Plänen des Vorstands zustimmen kann, müsse der Vorstand seine Pläne deutlich konkretisieren und anpassen, forderte Brenner jetzt. „Wir wollen wissen: Um welche Modelle geht es, wie sollen die Ziele erreicht werden?“ Werkschließungen seien mit der IG Metall nicht zu machen, betonte sie außerdem.
Blume sind die bisherigen Einsparungen, etwa um durchschnittlich 20 Prozent gesenkte Fabrikkosten in deutschen Autofabriken im vergangenen Jahr, noch nicht ausreichend. „Wir sind überdimensioniert. Das macht uns oft zu langsam und zu kompliziert“, beschrieb er das Problem im VW-Intranet.
Er hatte bereits im Frühjahr angekündigt, an einem neuen „Zielbild 2030“ für den Konzern zu arbeiten und dabei auch den Sparkurs deutlich verschärfen zu wollen. Noch vor der Sommerpause machte er klar, sein Maßnahmenpaket noch in diesem Jahr verabschieden zu wollen. Seitdem wird in der VW-Welt um vier Werke und bis zu 50.000 Stellen zusätzlich gebangt.
Insgesamt sind in den nächsten Tagen bis Ende August neun zusätzliche Betriebsversammlungen etwa in Hannover, Braunschweig, Salzgitter, Dresden, Chemnitz und Kassel-Baunatal geplant, bei denen der Vorstand der Belegschaft Rede und Antwort stehen soll. Den Auftakt macht am 25. August Wolfsburg, Tags darauf folgen Emden und Zwickau, den Abschluss macht am 31. August Hannover.
Mit Blick auf die als bedroht bezeichneten Werke in Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm wiederholte Blume im Interview, dass es für diese Standorte heute keine wettbewerbsfähige Belegung für die 2030er-Jahre gebe. „Eine Entscheidung über konkrete Werksschließungen ist nicht getroffen“, sagte er. Denn eine fehlende Nachfolgebelegung sei noch keine Werksschließung.
Für den Fall, dass für einen Standort keine Lösung gefunden werde, ende die Verantwortung von VW aber nicht. „Werksschließungen sind immer die teuerste und letzte Lösung“, sagte Blume. Sollten alle Anstrengungen nicht ausreichend sein, gehe es darum, neue Perspektiven zu schaffen – mit Partnern, Investoren, neuen industriellen Lösungen.