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Patientenvertreterin: „Wir haben bei der Digitalisierung den Überblick verloren“
Digitalisierung darf Menschen nicht in neue Abhängigkeiten drängen, sagt Jana Hassel von der BAG SELBSTHILFE. Die ePA dürfe kein Zwangszugang werden.
(Bild: Panchenko Vladimir / Shutterstock.com / Bearbeitung heise medien)
Mit dem geplanten Gesetz für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen (GeDIG) möchte die Bundesregierung die Digitalisierung des Gesundheitswesens beschleunigen. Der GeDIG-Gesetzentwurf sorgt jedoch bereits für Diskussionen. Kritiker bemängeln unter anderem Defizite bei Datenschutz und Barrierefreiheit sowie eine zu starke Fokussierung auf technische Lösungen. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe (BAG SELBSTHILFE) vertritt als Dachverband die Interessen von Menschen mit chronischen Erkrankungen, Behinderungen und ihren Angehörigen. Sie sieht in der Digitalisierung grundsätzlich Chancen für die Versorgung, fordert aber einen stärkeren Blick auf die Bedürfnisse der Betroffenen.
Im Gespräch mit heise online erklärt die Medizinrechtlerin Jana Hassel von der BAG SELBSTHILFE, weshalb ein patientenzentrierter Blick auf die Digitalisierung so wichtig ist und warum zunächst eine Bestandsaufnahme notwendig ist.
Die „BAG Selbsthilfe“ unterstützt die Digitalisierung im Gesundheitswesen grundsätzlich. Welche Chancen sehen Sie insbesondere für Menschen mit chronischen Erkrankungen und Behinderungen?
Das ist ein sehr diverses Thema, weil die Menschen sehr unterschiedliche Bedürfnisse, Möglichkeiten und Kompetenzen haben. Das fängt schon damit an, ob jemand überhaupt ein Smartphone hat oder nicht. Es geht weiter mit der Frage, ob Unterstützung durch Angehörige vorhanden ist, wie die Erkrankung aussieht, welche Einschränkungen bestehen und wie das soziale Umfeld aussieht.
Für mich wäre es ein wahnsinniger Erfolg der Digitalisierung, wenn wir es schaffen würden, Stress aus dem System herauszunehmen. Wenn Dinge einfacher werden und so angewendet werden, wie sie eigentlich gedacht sind. Die Digitalisierung hat dieses Potenzial. Aber wir denken bisher nicht konsequent genug in der Kategorie: Was benötigen die Menschen eigentlich?
Die elektronische Patientenakte gilt als zentrales Digitalisierungsprojekt. Wo sehen Sie hier den größten Nutzen?
Grundsätzlich ist es wichtig, dass Menschen einen guten Überblick über ihre Gesundheitsdaten behalten können. Gerade bei komplexeren Erkrankungen oder umfangreichen Medikationslisten wird das schnell unübersichtlich.
Deshalb ist für uns ein wichtiges kurzfristiges Ziel, dass die ePA nicht nur auf dem Smartphone funktioniert. Der PC ermöglicht ganz andere Formen der Barrierefreiheit. Aber auch Menschen ohne Einschränkungen profitieren davon. Gerade bei komplexeren Erkrankungen oder längeren Medikationslisten hilft ein größerer Bildschirm dabei, den Überblick zu behalten. Es können Screenreader genutzt werden, die Darstellung lässt sich anpassen, und man hat schlicht einen größeren Bildschirm. Das hilft nicht nur Menschen mit Einschränkungen. Auch für viele andere ist es einfacher, den Überblick zu behalten.