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Kommentar: Die Steam Machine ist nur ein weiteres Symptom eines kaputten Marktes
Valves Steam Machine ist kompakt, schick und mit mindestens 1040 Euro zu teuer. Für jeden Einsatzzweck gibt es bessere Alternativen, meint Daniel Herbig.
„400 Euro? 600 Euro? Noch mehr?“ Rückblickend haben die Spekulationen über den Preis der Steam Machine aus dem vergangenen Herbst schon eine gewisse Komik. Dass der Würfel-PC mit linuxbasiertem SteamOS jetzt mindestens 1040 Euro ohne Controller kostet, ist angesichts exorbitanter Hardware-Preise leider marktgerecht. Aber es bedeutet auch, dass dieses Gerät für so ziemlich jeden Einsatzzweck ein Fehlkauf wäre.
Die Steam Machine ist klein, schick und dem Vernehmen nach sauber verarbeitet – ein Testmuster hat heise online noch nicht. Was sie nicht ist: ein guter Gaming-Rechner. Hardware-Spezifikationen und Benchmark-Ergebnisse sind ernüchternd. In der Hardware-Analyse von Digital Foundry performt die Steam Machine etwa auf dem Level der PlayStation 5 und Xbox Series X. Manchmal sogar ein wenig schlechter, weil ihre Custom-RDNA3-GPU nicht ganz mithalten kann. Das sind fast sechs Jahre alte Konsolen, die trotz mehrerer Preiserhöhungsrunden in der Praxis nur halb so viel kosten wie die Steam Machine. Wer einen günstigen Einstieg ins Gaming-Hobby sucht, kauft besser eine Konsole.
Daniel Herbig berichtet auf heise online über Videospiele, Unterhaltungselektronik und andere Gadgets.
Klar, der PC ist die überlegene Spieleplattform. Viele Gamer haben schon große Steam-Bibliotheken und profitieren auf dem Rechner von offenen Ökosystemen und günstigeren Spielepreisen. Aber leistungstechnisch vergleichbare Komplett-PCs kann man anderswo auch für unter 1000 Euro kaufen. Wer selbst baut, holt noch mehr aus dem Budget heraus. SteamOS lässt sich sowieso überall installieren. Normale PCs lassen sich außerdem jederzeit problemlos aufrüsten – bei der Steam Machine sind Grafikkarte und Prozessor fest verbaut, was ihre Langlebigkeit doch arg einschränkt.
Immerhin ist sie klein! Die Steam Machine macht neben oder unter dem Fernseher eine bessere Figur als die meisten Tower-PCs. Aber eine PlayStation 5 passt auch nicht in die Hosentasche und steht trotzdem in Millionen Wohnzimmern. Wer unbedingt einen Konsolen-PC möchte, kann sich sicher auch mit einem mATX-Rechner arrangieren. Dass dort HDMI-CEC fehlt, lässt sich verkraften.
Wer dagegen maximale Mobilität möchte und seine Steam-Bibliothek mit auf die Couch, in den Zug oder in den Urlaub nehmen will, findet mit dem Steam Deck und anderen Handheld-PCs flexiblere Optionen. Für den Preis der kleinsten Steam Machine bekommt man ein gut ausgestattetes Steam Deck OLED und hat noch Geld übrig, um sich etwa eine Docking-Station zuzulegen.
Das soll alles nicht heißen, dass die Steam Machine ein komplettes Fiasko ist. Viele werden den Würfel-PC allein deswegen kaufen, weil er von Valve gebaut wird. Er wird monatelang, vielleicht jahrelang ausverkauft sein. Es ist in Ordnung, etwas mehr für ein besonders schönes Gerät auszugeben. Aber objektiv empfehlen kann man es eben nicht.
Das weiß auch Valve. Man muss dem Steam-Betreiber die Offenheit, mit der er über die Preisgestaltung der Steam Machine schreibt, anrechnen. Dass sich Sony oder Nintendo öffentlich über ihre Verkaufsstrategien und Hardware-Subventionen auslassen, ist undenkbar. Die Ehrlichkeit ändert aber nichts an der Mathematik: Weil Valve die Hardware nicht unter Herstellungskosten verkauft, ist die Steam Machine nur bedingt konkurrenzfähig.
Hohe Preise für Speicher und Grafik machen es seit Jahren unerschwinglich, einen PC zu bauen. Viele haben gehofft, dass Valves Steam Machine den Markt aufmischt und einen guten Einstiegspunkt ins PC-Gaming für 400, vielleicht 600 Euro anbietet. Der erhoffte Befreiungsschlag ist die Steam Machine nicht geworden – nur ein weiteres Symptom eines kaputten Marktes.