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Steinzeitmenschen haben vor allem weibliche Mammuts gejagt
Mammut-Rätsel mit genetischer Spur: Alte DNA von 521 Wollhaarmammuts zeigt ein auffälliges Gegenmuster. Unter verstreuten Funden überwiegen Männchen, in elf großen Knochenanhäufungen mit archäologischem Kontext dagegen Weibchen. Das stützt einen starken menschlichen Anteil an der Entstehung dieser Lager, beweist aber keine gezielte Jagd auf weibliche Tiere.
Stockholm (Schweden). Große Ansammlungen von Mammutknochen gehören zu den markantesten Hinterlassenschaften des Jungpaläolithikums. Doch bei vielen Fundstellen blieb umstritten, ob sich die Knochen vor allem durch natürliche Sterbeprozesse anhäuften oder ob wiederholte Nutzung durch Menschen den Ausschlag gab. Schnittspuren und in Knochen steckende Geschossspitzen belegen direkte Jagd an einzelnen Orten, doch solche Spuren sind nicht an jedem Fundstück erhalten.
Forscher des Centre for Palaeogenetics (CPG) um Hannah M. Moots haben diese alte Frage nun mit Paläogenomik untersucht, also mit genetischen Daten aus jahrtausendealten Überresten. Das Team bestimmte das genetische Geschlecht von 521 Wollhaarmammuts aus Eurasien und Nordamerika. Von ihnen wurden 448 für die Studie neu sequenziert.
Für den Vergleich trennten die Wissenschaftler 100 Mammuts aus elf großen Knochenanhäufungen von 421 verstreut gefundenen Tieren. Die Anhäufungen stammen aus archäologischen Fundstellen mit Hinweisen auf menschlichen Einfluss. Die verstreuten Reste dienten dagegen als Vergleichsgruppe aus überwiegend natürlichen Ablagerungskontexten.
Das Ergebnis fiel fast spiegelbildlich aus: Unter den verstreuten Funden waren 66,5 Prozent der Mammuts männlich. In den Knochenanhäufungen waren dagegen 70 Prozent weiblich. Auch bei einer Betrachtung nach Regionen blieb der männliche Überschuss der verstreuten Funde bestehen, während alle Anhäufungen mit mehr als fünf untersuchten Tieren einen weiblichen Überschuss zeigten.
„Ob diese massiven Mammutknochenansammlungen natürlich entstanden oder durch menschliche Jagd gebildet wurden, wird seit Jahrzehnten diskutiert“, sagt David Díez del Molino vom Centre for Palaeogenetics (CPG).
Die Forscher prüften zudem, ob die Art des untersuchten Knochen- oder Zahnmaterials den Unterschied erklären könnte. Dafür fanden sie keinen statistisch erkennbaren Effekt. Der starke Kontrast zwischen den beiden Fundkontexten spricht damit dafür, dass die Geschlechterverhältnisse nicht bloß durch die Auswahl des Probenmaterials entstanden sind.
Nach Ansicht des Teams passt die weibliche Dominanz in den Knochenlagern am besten zu einer wiederkehrenden menschlichen Nutzung von Mammuts. Das kann direkte Jagd einschließen, aber auch die Verwertung von Kadavern. Gerade deshalb sprechen die Autoren vorsichtig von menschlicher Ausbeutung beziehungsweise Nutzung und nicht davon, dass jedes Tier nachweislich erlegt wurde.
„Der Gegensatz zwischen den beiden Fundkontexten ist besonders spannend“, sagt Marc Händel von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW).
Archäologische Befunde stützen die genetische Spur. An mehreren Fundstellen wurden steinerne Geschossspitzen in Mammutknochen entdeckt. Für Langmannersdorf in Niederösterreich kommen Steinartefakte, Feuerstellen und Verteilungsmuster der Knochen hinzu, die auf Zerlegung und Weiterverarbeitung durch Menschen hindeuten.