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„Blood of Dawnwalker“ im Test: Ein erstklassiges Rollenspiel-Debüt
„The Blood of Dawnwalker“ ist zweifellos eines der Rollenspiel-Highlights des Jahres. Eine Spielmechanik könnte die Fanlager allerdings spalten.
Mit Halbvampir Coen reiht sich ein weiterer Rollenspielheld in die erstklassige Warschauer-Riege um Geralt und V ein.
Die „Witcher“-Reihe – allen voran Teil 3 – hat CD Projekt Red zu einem der populärsten Spielestudios der Welt gemacht. Auch das Release-Desaster um „Cyberpunk 2077“, das Sony zeitweise aus dem Playstation Store entfernte, konnte den Ruf der polnischen Spieleschmiede nicht dauerhaft beschädigen. Intern rumorte es zeitweise allerdings gewaltig. 2022 nahm mit Konrad Tomaszkiewicz einer der führenden Köpfe seinen Hut, obwohl Mobbing-Vorwürfe gegen ihn mit fallengelassen wurden. Tomaszkiewicz war an allen drei „Witcher“-Spielen beteiligt und Head of Production von „Cyberpunk 2077“. Bei „The Witcher 4“ hätte ihn eine ähnliche Position erwartet. Seine kreativen Visionen setzt er nun zusammen mit ein paar weiteren Ex-CD-Projekt-Kollegen um – und das mit Bravour: Dem neu gegründeten Warschauer Studio Rebel Wolves gelingt mit „The Blood of Dawnwalker“ ein beachtliches Debüt.
Schon im knapp dreistündigen Prolog machen Rebel Wolves klar, wo die Reise hingeht: „Blood of Dawnwalker“ wird von einer emotionalen und packenden Geschichte angetrieben. Der junge Coen kümmert sich rührend um seine jüngeren Geschwister, während in der Region um sein Heimatdorf die Pest wütet. Wer Symptome der todbringenden Seuche aufweist, wird von den Lakaien des Fürsten sofort getötet, um die Verbreitung aufzuhalten. Als Coens jüngere Schwester krank wird und eine Gruppe Soldaten sie hinrichten will, schreitet eine Gruppe blutdurstiger Vampire ein. Während sie die Soldaten zerfetzen, heilen sie Coens Schwester von der Pest. Die „Vrakhiri“ übernehmen die Region, merzen die Seuche aus, vertreiben die Machthaber und übernehmen selbst den Thron. Was wie ein Segen beginnt, stellt sich allerdings schnell als Fluch heraus.
Unter dem neuen Fürsten Brencis breitet sich ein noch größerer Terror aus, denn die Vampire fordern Blut statt Steuern. Für die Bewohner gibt es während der Messe ab sofort einen Tropfen heilendes Vampirblut im Tausch gegen ihr eigenes. Der Deal ist allerdings einseitig, denn gefragt wird niemand und die Schwächsten und Aufmüpfigen werden sofort ausgeblutet. Als sich Brencis an Coens psychisch kranker Mutter stört, kommt es zu einer Auseinandersetzung, die einen folgenschweren Aufstand nach sich zieht. Coen überlebt schwer verwundet und muss zusehen, wie Brencis sein Dorf niederbrennt und seine Familie entführt. Ihm bleiben 30 Tage, bis seine Eltern und Geschwister in einem blutigen Ritual geopfert werden sollen. Was Brencis allerdings übersieht: Er hat Coen versehentlich zu einem Dawnwalker verwandelt – einem Vampir, der tagsüber unbeschadet als Mensch im Licht der Sonne wandern kann.
Das 30-Tage-Zeitlimit soll dem typischen Immersionsbruch bei Rollenspielen entgegenwirken: Die Erfüllung eines eigentlich dringlichen Ziels wird durch etliche Nebenaufgaben, Schatzsuchen oder das Ausheben von Räuberlagern stundenlang vor sich hergeschoben. Durch den Countdown müssen Spieler also genau abwägen, welcher Karotte sie hinterherjagen und wann sie ihrem Abenteuerdrang lieber einen Riegel vorschieben. Wer will, kann sich dem dunklen Fürsten schon sehr früh im Spiel stellen – der Zugang zu seiner Burg steht Coen dann jederzeit offen. Allerdings ist das junge Halbblut nicht ansatzweise mächtig genug, um es mit Brencis und seinen Schergen aufzunehmen. Es macht also auch erzählerisch Sinn, sich in der Welt umzusehen, stärker zu werden und sich nach Verbündeten umzusehen. Stress müssen Erkundungsfans allerdings nicht erwarten. Die Zeit schreitet nur bei bestimmten Quests oder Tätigkeiten voran, die auch entsprechend gekennzeichnet sind. Freies Erkunden ist also jederzeit und ohne Druck möglich.
Sobald sich nach dem stimmungsvollen Prolog die Open World auftut, folgt „Blood of Dawnwalker“ deshalb auch s