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Menschenfeuer verändern den Amazonas-Regenwald seit mehr als 10.000 Jahren
Kein unberührter Urwald: Feuer ist im feuchten Amazonas-Regenwald von Natur aus selten, doch Menschen brachten es schon vor Jahrtausenden in die Landschaft. Eine neue Rekonstruktion aus mehr als 1.300 Radiokarbondaten zeigt, wie sich Brände vom Rand des Beckens bis ins Waldinnere ausbreiteten und wie ihre Häufigkeit bereits vor der europäischen Ankunft wieder sank.
Amsterdam (Niederlande). Der Amazonas gilt als Inbegriff eines feuchten Tropenwaldes, in dem natürliche Feuer nur ausnahmsweise entstehen und sich ausbreiten. Trotzdem finden sich in Böden und an archäologischen Fundorten vieler Regionen alte Holzkohlereste. Sie dokumentieren, dass Menschen Feuer seit Jahrtausenden als Werkzeug nutzten und damit eine Landschaft beeinflussten, deren Pflanzen an regelmäßige Brände kaum angepasst waren.
Wie sich diese Feuer über Raum und Zeit verteilten, war bislang nur lückenhaft bekannt. Forscher der University of Amsterdam (UvA) um Dr. Crystal N. H. McMichael haben deshalb vorhandene Datensätze zusammengeführt und durch neue Messungen ergänzt. Ihr Ziel war eine beckenweite „Pyrogeographie“, also eine räumliche und zeitliche Geschichte des Feuers im Amazonasgebiet.
Das Team hat insgesamt 1.361 Radiokarbondatierungen aus 303 Fundorten zusammengestellt. Darunter waren 815 Datierungen verbrannter archäologischer Materialien und 546 Datierungen einzelner Holzkohlefragmente aus Bodenbohrkernen. 31 Messwerte aus acht Fundorten kamen für die neue Untersuchung hinzu. Weil 32 Proben aus der Zeit nach 1950 stammten, gingen 1.329 einzeln kalibrierte Alterswerte in die zeitlichen Analysen ein.
Die Forscher verglichen die Häufigkeit der Datierungen im gesamten Amazonasbecken und in sechs Großregionen. Dazu nutzten sie unter anderem Summen kalibrierter Alterswahrscheinlichkeiten, geglättete Dichteschätzungen und Zufallstests für regionale Unterschiede. Solche Radiokarbondaten sind kein direktes Maß für die Zahl der Brände oder Menschen. Größere und längerfristige Muster können aber Hinweise darauf liefern, wann verbranntes Material in der Landschaft besonders häufig abgelagert wurde.
Die ältesten Hinweise konzentrieren sich vor allem auf Randgebiete des Amazonasbeckens und auf den Hauptlauf des Amazonas. Ab ungefähr 6.000 Jahren vor heute begann sich die Feueraktivität räumlich stärker auszubreiten. Vor etwa 3.000 bis 2.000 Jahren erreichten Feuer dann zunehmend auch das Innere des Beckens. Zentralamazonien hatte zuvor über Jahrtausende deutlich weniger Feueraktivität als viele andere Regionen.
Besonders viele Datierungen liegen aus den letzten zwei Jahrtausenden vor. Die höchsten aufsummierten Wahrscheinlichkeiten traten ungefähr zwischen 1.300 und 500 Jahren vor heute auf, was grob den Jahren 700 bis 1450 entspricht. Die Studie deutet diese Entwicklung als wachsenden menschlichen Einfluss, der sich mit sesshafteren Lebensweisen, Pflanzenanbau und anderen Formen der Landnutzung über größere Teile Amazoniens ausbreitete.
Doch die Kurve steigt nicht bis zur europäischen Ankunft weiter an. In allen untersuchten Regionen nahm die Häufigkeit der datierten Brandspuren ungefähr vor 700 bis 500 Jahren ab, wenn auch nicht überall gleichzeitig. Dieser Rückgang begann mehrere Jahrhunderte vor der ersten europäischen Expedition den Amazonas hinab im Jahr 1541. Er stützt damit die Hypothese, dass es schon vor dem direkten europäischen Einfluss größere Veränderungen der Landnutzung oder eine Aufgabe von Siedlungsplätzen gab.
Nach der europäischen Ankunft zeigt sich in mehreren Regionen ein zweiter Rückgang. Er passt zu dem massiven Bevölkerungsverlust in den Amerikas durch Krankheiten, Versklavung und Krieg. Die Daten sprechen damit für zwei Phasen verringerter Nutzung innerhalb der vergangenen rund 800 Jahre. Warum die erste Phase einsetzte, bleibt nach Angaben der Autoren offen.
Die langfristige Feuerhistorie könnte bis heute in der Vegetation nachwirken. Wiederholte Brände können die Artenzusammensetzung tropischer Wälder verändern und feuerempfind