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Broadcom plant neues vSphere Standard
Nach Jahren ohne neue Version soll vSphere Standard zurückkehren. Für viele VMware-Kunden kommt die Kehrtwende zu spät.
Broadcom will vSphere Standard eine neue Version spendieren. Das haben zwei ranghohe Manager von Broadcoms Infrastructure Software Group gegenüber dem britischen IT-Portal The Register am Rande der VMware Explore erklärt: Paul Turner, Chief Product Officer der VMware Cloud Foundation Division, und Ram Velaga, President der Infrastructure Software Group. Turner stellte weitere Details für die VMware Explore on Tour in Frankfurt am 13. und 14. Oktober in Aussicht.
Bemerkenswert ist dabei weniger die Nachricht selbst als die Art ihrer Verbreitung. Eine offizielle Ankündigung gab es nicht, keine Keynote, keine Pressemitteilung, kein Blogpost. Ein Produkt, dessen effektive Einstellung tausende Bestandskunden dazu gebracht hat, Alternativen zu evaluieren oder Migrationsprojekte anzustoßen, kehrt damit zunächst per Einzelinterview zurück.
Die letzte substanzielle Version von vSphere Standard stammt aus dem Jahr 2022 – Version 8, also noch aus der Zeit vor der Broadcom-Übernahme. Als VMware 2025 vSphere 9 gemeinsam mit VCF 9 herausbrachte, blieb ein neues Standard-Release aus. Turner begründet das gegenüber The Register damit, man habe sich stattdessen auf die Absicherung von VCF konzentriert.
Velagas Erklärung fällt anders aus: VMware habe die Erzählung drehen wollen, wonach Workloads naturgemäß in die Public Cloud gehören, und stattdessen für die Private Cloud als günstigere und einfacher zu betreibende Variante argumentieren wollen. Ein neues Einstiegsprodukt hätte diese Botschaft verwässert und Kunden womöglich an der Ernsthaftigkeit des Private-Cloud-Kurses zweifeln lassen.
Die beiden Begründungen setzen unterschiedliche Akzente. Gemeinsam ist ihnen allerdings, dass sie Broadcoms Produkt- und Portfoliostrategie beschreiben – nicht einen fehlenden Bedarf auf Kundenseite.
Bemerkenswert ist jedoch, dass vSphere Standard und Enterprise Plus weiterhin als Standalone-Produkte geführt werden. In der im Mai veröffentlichten FAQ zu vSphere 9.1 stellt Broadcom jedoch ausdrücklich klar, dass beide Editionen auf Version 8 Update 3 und älter beschränkt bleiben. Die Funktionen von vSphere 9.0 und 9.1 gibt es bislang nur mit VMware Cloud Foundation oder VMware vSphere Foundation.
Aufschlussreicher als die Begründungen ist Turners Eingeständnis zu den Vertriebsanreizen. Sales-Mitarbeiter seien so incentiviert gewesen, dass sie Kunden Richtung VCF gedrängt hätten; das habe man inzwischen korrigiert. Wörtlich sagte er gegenüber The Register: „We corrected this.“ Der Fokus auf VCF sei zeitweise zu stark gewesen.
Damit bestätigt Broadcom zumindest einen Teil dessen, was Anwender und Partner seit 2024 berichten: Die Vertriebsorganisation hatte einen finanziellen Anreiz, Kunden Richtung VCF zu bewegen. Für viele kleinere und mittlere VMware-Umgebungen reichen die in vSphere Standard und vSphere Enterprise Plus beinhalteten Funktionen völlig aus. Diese standen zwar weiterhin auf der Produktliste, wurden auf den Webseiten aber mit wenigen Zeilen abgehandelt. Das dazwischenliegende Bundle vSphere Foundation ging Berichten zufolge fast ausschließlich an Kunden, die ohnehin VCF gekauft hatten und für einzelne Standorte etwas Kleineres brauchten.
Turners Aussage wirft damit auch ein neues Licht auf die vergangenen zwei Jahre: Zumindest ein Teil des Drucks zum Wechsel auf VCF entstand offenbar nicht aus technischen Anforderungen der Kunden, sondern aus den Vertriebsanreizen des Herstellers.