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ADAC: Benzin-Kleinwagen kosten fast 80 Prozent mehr als vor zehn Jahren
Laut ADAC kosten Benzin-Kleinwagen durchschnittlich fast 24.000 Euro. Das Angebot schrumpft, E-Kleinwagen bleiben teuer. Der Club kritisiert die Hersteller.
Kleinwagen stehen in Deutschland nicht mehr für bezahlbare Mobilität. Eine aktuelle Auswertung des ADAC zeigt, dass ein neuer Kleinwagen mit Benzinmotor im Durchschnitt fast 24.000 Euro kostet, das ist knapp 80 Prozent mehr als vor zehn Jahren. Gleichzeitig ist das Modellangebot bei Verbrennern auf einen neuen Tiefstand von nur noch 46 Modellen gesunken. Diesel werden in dieser Klasse gar nicht mehr angeboten.
Wie der ADAC in seiner Analyse darlegt, verharren die Durchschnittspreise über alle Antriebsarten hinweg auf hohem Niveau. Im vergangenen Jahr standen zwar wieder über 80 Modelle zur Auswahl und damit eine Vielfalt, die es zuletzt 2017 gab. Doch im gleichen Zeitraum ist der Durchschnittspreis eines Kleinwagens über alle Antriebe um mehr als 10.000 Euro gestiegen. Der Automobilclub bewertet die Entwicklung als „für viele Verbraucher nicht mehr bezahlbar“.
Etwas Bewegung gibt es bei den Elektro-Kleinwagen: Ein E-Kleinwagen kostet 2026 im Durchschnitt weniger als 30.000 Euro, ein Rückgang von über neun Prozent gegenüber 2024. Der ADAC-Autokatalog zählt inzwischen fast 40 Modelle im Segment. Im Langfristvergleich allerdings müssen Käufer auch für einen elektrischen Kleinwagen rund 5000 Euro mehr aufbringen als noch vor zehn Jahren, damals war das Angebot mit weniger als zehn Modellen allerdings überschaubar.
Hersteller begründen die Preissteigerungen unter anderem mit gestiegenen Sicherheitsanforderungen und der allgemeinen Inflation. Die extremen Kostensteigerungen begannen laut ADAC mit Covid-19. Fehlende Teile und stockende Lieferketten trieben die Preise nach oben. Von diesen Engpässen ist inzwischen keine Rede mehr, dennoch bleiben die Preise auf hohem Niveau. Die allgemeine Verbraucherpreisinflation lag in den vergangenen Jahren bei etwa zwei bis drei Prozent jährlich, der Verkehrsindex bei Destatis stieg zuletzt um fünf bis sieben Prozent pro Jahr. Die Preissteigerung bei Kleinwagen von rund 80 Prozent in gut einem Jahrzehnt übersteigt diese Werte jedoch bei Weitem. Der ADAC stuft den Preissprung deshalb als „unverhältnismäßig“ ein.
Konkret kritisiert der Automobilclub, dass viele Kleinwagen inzwischen serienmäßig mit Komfort- und Unterhaltungsfunktionen ausgestattet seien, die ein preisbewusstes Publikum weder benötige noch bezahlen wolle. Hier sieht der ADAC ein ungenutztes Einsparpotenzial: Statt höhere Basisausstattung als Rechtfertigung für steigende Preise anzuführen, sollten Hersteller einfache und kreative Lösungen für bezahlbare, moderne Mobilität entwickeln. Denkbar wäre etwa ein Verzicht auf aufwendige Infotainmentsysteme zugunsten einer einfachen Smartphone-Anbindung, manuelle Klimaanlage statt Klimaautomatik und kleinere, günstigere Batterien bei Elektro-Kleinwagen, die für den Stadtbetrieb ausreichen.
Dass günstigere Elektro-Kleinwagen technisch möglich sind, zeigt ein Blick auf die aktuelle Marktlage: Dacia bietet den Spring ab 16.900 Euro an, den Leapmotor T03 gibt es ab 18.900 Euro, und der Citroën ë-C3 startet bei 23.450 Euro. Auch aus Fernost dürfte der Preisdruck zunehmen: BYD entwickelt auf Basis seiner japanischen Kei-Car-Technik eine globale Kleinwagen-Plattform, die mit hochintegrierter Komponentenarchitektur Kosten senken soll. Das könnte europäische Hersteller wie VW, Renault und Stellantis unter Zugzwang setzen.
Der ADAC appelliert an die Industrie, das Kleinwagensegment nicht zu vernachlässigen. Viele Verbraucher seien nach den hohen finanziellen Belastungen der vergangenen Jahre auf günstige Mobilität angewiesen. Ein Kleinwagen solle genau das leisten, statt als aufgeblähtes Kompaktklasse-Derivat zum Premium-Preis daherzukommen. Dieser sicher gut gemeinte Aufruf macht sich zwar gut bei den Kunden, wird die Industrie allerdings kaum beeindrucken. Solange ihr Angebot mit der Nachfrage auf die für sie lukrativste Weise zusammengeht