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Ist Sachsen-Anhalt wirtschaftlich abgehängt?
Die Wirtschaftslage ist bei der Wahl in Sachsen-Anhalt ein wichtiges Thema. Das Bundesland altert und schrumpft, die Arbeitslosigkeit ist eher hoch. Manche Sorgen kennen aber auch Westregionen - und es gibt Standort-Vorteile.
Sachsen-Anhalt habe im bundesweiten Vergleich mit Blick auf die Wirtschaftskraft häufig die "rote Laterne", sagt Joachim Ragnitz, der Leiter des ifo-Instituts Dresden. Das belegten Auswertungen von rund 300 Wirtschaftsindikatoren im Vergleich der 16 Bundesländer.
"Die Arbeitslosenquote ist ziemlich hoch im Vergleich zu anderen Ländern, wir haben sehr geringe Löhne dort und wir haben geringe verfügbare Einkommen," so der Wirtschaftsforscher Ragnitz gegenüber der ARD-Finanzredaktion. Im August lag die Arbeitslosenquote in Sachsen-Anhalt bei 8,2 Prozent und damit über dem bundesweiten Durchschnitt von 6,5 Prozent.
Der durchschnittliche Bruttojahresverdienst von Vollzeitbeschäftigten in Sachsen-Anhalt lag laut Statistischem Bundesamt 2025 bei 51.937 Euro und damit deutlich unter dem Bundesschnitt von 65.441 Euro.
Nimmt man nicht nur die Vollzeitstellen, sondern alle sozialversicherungspflichtig Beschäftigte hinzu, lag der durchschnittliche Jahresbruttolohn in Sachsen-Anhalt im Jahr 2025 bei 41.163 Euro, bundesweit etwas höher, bei 45.913 Euro. Das beinhaltet auch die Löhne von Geringverdienern und Teilzeitarbeitenden. Auch hier gehört Sachsen-Anhalt im Bundesvergleich zu den Schlusslichtern, liegt aber nach Zahlen des Statistischen Bundesamts noch vor Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein.
Hinzu komme "eine sehr ungünstige Bevölkerungsstruktur," so Joachim Ragnitz. "Wir haben in Sachsen-Anhalt die älteste Bevölkerung aller Bundesländer und gleichzeitig eine sehr negative Bevölkerungsentwicklung für die Zukunft." Das Potential der Erwerbstätigen in dem Bundesland wird in den kommenden zehn Jahren laut Ragnitz um gut neun Prozent schrumpfen.
Ende 2025 lebten rund 2,12 Millionen Menschen innerhalb der Landesgrenzen, das waren 0,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Schon jetzt fehlen Fachkräfte. Es sei nicht besonders attraktiv für Unternehmen, dort zu investieren, so ifo-Forscher Ragnitz. "Dann kommt hinzu, dass die Siedlungsstruktur nicht besonders günstig ist. Mit Halle und Magdeburg gibt es nur zwei große Städte und darüber hinaus sehr viele Regionen, die sehr ländlich geprägt und sehr abgelegen sind."
Die Vermögensungleichheit zwischen Ost und West hält an - auch unter Ruheständlern.
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In den 1990er-Jahren gab es eine sehr hohe Arbeitslosigkeit nach dem Zusammenbruch der DDR-Industrie, erklärt Ragnitz. Viele Menschen seien damals abgewandert. Die Folgen spüre man noch jetzt. Dörfer, in denen kein Bus mehr hält, der letzte Bäcker geschlossen und der nächste Arzt zu weit ist - all das sei Realität im dünn besiedelten, ländlichen Raum.
"Das ist in vielen Regionen Sachsen-Anhalts so: dass weder die öffentliche Daseinsvorsorge richtig funktioniert, weil der Staat es sich nicht leisten kann, eine Schule zu betreiben, weil auch zu wenig Kinder da sind." Ein solches Schrumpfen gebe es gleichzeitig im privaten Sektor. "Da wo wenig Leute wohnen, die auch nicht mehr in die Kneipe gehen, da wird sich keine Kneipe halten können. Die verschwindet dann."