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Michael Mendl ist tot: Mal charming man, mal bad boy
Erst spät, nach 25 Jahren als Bühnenschauspieler, kam Michael Mendl zum Film. Sein Filmdebüt gab er Anfang der Neunzigerjahre in »Leise Schatten«. Der Schauspieler sprach später davon, dass er damals wahnsinnig Glück gehabt habe. Passend zum hier im Jahr 1994 abgebildeten, die Kamera anlächelnden Mendl, spielte er immer mal wieder den Charmeur. Aber er sah sich selbst eher als »Charakterheld«, wie er sagte: »Ich spiele die schweren, auch die bösen Rollen.«
Und tatsächlich spielte Mendl auch in recht vielen Krimis mit. Hier ist er Anfang der Neunziger an der Seite der 2024 verstorbenen Hannelore Hoger in der Krimiserie »Der Alte« zu sehen…
… und hier in einem »Tatort« aus dem Jahr 1989 mit dem Titel »Die Neue«: Mendl als Koslowski, den die damals noch junge Kommissarin Lena Odenthal, gespielt von Ulrike Folkerts und frisch im Einsatz, verdächtigt. Aber es blieb nicht bei deutschem Sonntagsritual-Ruhm für Mendl.
In der global erfolgreichen Netflix-Serie aus Deutschland, »Dark«, spielte er den Ex-Chef des örtlichen Kernkraftwerks, Bernd Doppler. Hier ist er im Jahr 2017 an der Seite seiner Mitdarsteller bei der Europapremiere der von Jantje Friese und Baran bo Odar geschaffenen Serie zu sehen. Das ledrig-furchige, charaktervolle Gesicht Mendls, aus dem diese dunkle Stimme sprach, dürfte damals auch einigen Zuschauerinnen und Zuschauern außerhalb Deutschlands im Kopf geblieben sein.
Das deutsche Publikum verbindet ihn wohl stark mit dieser Rolle: als Willy Brandt – hier neben Matthias Brandt, dem Sohn des früheren Bundeskanzlers, in der Rolle als Günter Guillaume. Der ARD-Zweiteiler »Im Schatten der Macht« trug zur Berühmtheit beider Schauspieler bei. »Mendl wird, je länger der Film dauert, immer mehr Willy Brandt«, schrieb DER SPIEGEL damals. »Mendl versucht, wie Brandt zu sprechen – zum Glück übertreibt er die Imitation nicht.« Mendl sagte selbst einmal, es sei die Rolle seines Lebens gewesen.
Es war nicht der einzige historische Stoff, dem Mendl dazu verhalf, filmische Größe anzunehmen: In Oliver Hirschbiegels Bunkerkammerspiel »Der Untergang« (2004) stand er als Artillerie-General Helmuth Weidling vor der Kamera, in »Karol Wojtyła – Geheimnisse eines Papstes« (2006) als Papst Johannes Paul II. höchstpersönlich und – wie hier als Zweiter von links zu sehen – in Joseph Vilsmaiers »Die Gustloff« (2007) als Kapitän Johannsen; einem TV-Film, der vom Untergang des gleichnamigen Schiffs im Jahr 1945 handelt – im Jahr nach Mendls Geburt.
Für seine Arbeit als vielseitiger Schauspieler – mal charming man, mal bad boy – wurde Mendl, hier 2013 bei der Bambi-Verleihung, mehrfach ausgezeichnet: Für »Im Schatten der Macht« erhielt er etwa die Goldene Kamera, für »14 Tage lebenslänglich« den Bayerischen Filmpreis und vor zwei Jahren, für sein Schaffen, den Götz-George-Preis.
Insgesamt über 200 Film- und Fernsehrollen spielte Mendl – hier vor ein paar Jahren bei der Europapremiere der zweiten Staffel der Serie »Landman« in Berlin. In der Schauspielerei sah er einen gefährlichen Beruf, für den man sich selbst gut kennen müsse, sagte er einmal: »Wir haben nicht Hammer und Säge, um etwas zusammenzubauen. Sondern wir haben nur uns selbst.«