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Impulskontrolle entwickelt sich länger als das Arbeitsgedächtnis
Ungleiches Tempo im Teenageralter: Eine große Analyse zeigt, dass die Fähigkeit, impulsive Reaktionen zu unterdrücken, bis in die späte Jugend weiterreift, während das Arbeitsgedächtnis früher ein Plateau erreicht. Abweichungen von altersüblichen Leistungen hängen zudem besonders zwischen elf und 13 Jahren mit Verhaltens- und psychischen Problemen zusammen.
Beijing (China). Exekutive Funktionen helfen uns, Ziele im Blick zu behalten, Ablenkungen auszublenden und unpassende Reaktionen zu bremsen. Zu ihnen gehören unter anderem die Impulskontrolle und das Arbeitsgedächtnis, das Informationen für kurze Zeit verfügbar hält und verarbeitet. Beide Fähigkeiten verbessern sich im Jugendalter, doch bisher fehlten große altersbezogene Vergleichskurven, an denen sich ihre Entwicklung und individuelle Abweichungen genauer einordnen lassen.
Gerade diese Unterschiede sind wichtig, weil sich die kognitive Kontrolle während der Pubertät noch verändert. Frühere Arbeiten haben bereits gezeigt, dass Selbstkontrolle auf ein weit verzweigtes Netzwerk im Gehirn angewiesen ist. Die neue Analyse fragt nun, ob einzelne exekutive Funktionen gleich schnell reifen und in welchen Altersphasen schwächere Leistungen besonders eng mit psychischen und sozialen Schwierigkeiten zusammenhängen.
Forscher des Chinese Institute for Brain Research, Beijing (CIBR) um Zaixu Cui haben dafür Daten von 33.622 chinesischen Jugendlichen im Alter von elf bis 18 Jahren ausgewertet. Die Teilnehmer absolvierten Aufgaben zur Reaktionshemmung sowie zum Arbeitsgedächtnis. Bei der Go/No-Go-Aufgabe mussten sie häufig auf ein Signal reagieren, eine Reaktion bei seltenen Stoppsignalen aber unterdrücken. In 1-back- und 2-back-Aufgaben sollten sie dagegen erkennen, ob ein Reiz einem zuvor gezeigten Reiz entsprach.
Aus den Leistungen berechnete das Team altersbezogene Normkurven. Dabei nutzten die Forscher statistische Modelle, die nicht nur den typischen Leistungswert eines Alters abbilden, sondern auch die Streuung zwischen Gleichaltrigen. So ließ sich für jeden Jugendlichen bestimmen, wie weit seine Leistung oberhalb oder unterhalb des für sein Alter erwartbaren Bereichs lag. Zusätzlich wurden mit dem Strengths and Difficulties Questionnaire fünf Bereiche psychischer und sozialer Auffälligkeiten erfasst.
Die Analysen zeigen ein deutlich unterschiedliches Entwicklungstempo. Die Fähigkeit, eine vorherrschende Reaktion zu unterdrücken, verbesserte sich bis in die späte Adoleszenz weiter. Das Arbeitsgedächtnis erreichte dagegen früher ein Plateau. Zugleich nahm die Streuung der Leistungen mit dem Alter ab, die Jugendlichen wurden in ihren exekutiven Leistungen also ähnlicher.
Damit reifen zwei eng verwandte Komponenten der kognitiven Kontrolle offenbar nicht nach demselben Zeitplan. Das ist für altersbezogene Vergleiche bedeutsam, weil eine Leistung, die mit 12 Jahren noch häufig vorkommt, einige Jahre später bereits deutlich stärker vom typischen Entwicklungsbereich abweichen kann. Die Normkurven beschreiben solche Unterschiede auf Populationsebene, sie sind aber keine individuelle Diagnose.
Jugendliche, deren exekutive Leistungen stärker unter den altersüblichen Werten lagen, berichteten im Mittel mehr Probleme mit Gleichaltrigen und Verhalten, mehr Hyperaktivität oder Unaufmerksamkeit sowie weniger prosoziales Verhalten. Die Zusammenhänge waren insgesamt klein und am stärksten in der frühen Adoleszenz ausgeprägt. Besonders zwischen elf und 13 Jahren fielen Abweichungen von den Normkurven stärker mit psychischen und sozialen Schwierigkeiten zusammen, danach schwächten sich die Beziehungen schrittweise ab.
Die Autoren prüften das Muster zusätzlich an 11.549 Jugendlichen aus den USA. Auch dort ergaben sich vergleichbare Entwicklungsverläufe und altersabhängige Beziehungen zwischen exekutiver Leistung und psychischen Auffälligkeiten. Diese Replikation spricht dafür, dass die beobachteten Muster nicht nur für die untersuchte chinesische Stichprobe gelten, auch wenn sich die verwend