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Könnten Außerirdische ein für uns unvorstellbares Bewusstsein haben?
Nicht nur Fleisch und Nervenzellen: Bewusstsein könnte auch in Lebensformen entstehen, deren chemische Grundlage sich grundlegend von der irdischen Biologie unterscheidet. Ein philosophisches Arbeitspapier leitet diese Möglichkeit aus der Vielfalt denkbarer Alien-Biochemien und einem kopernikanischen Prinzip ab. Die Autoren betonen jedoch, dass dies weder außerirdisches Bewusstsein belegt noch heutige KI für bewusst erklärt.
Riverside (U.S.A.). Ob Bewusstsein zwingend ein Gehirn aus Nervenzellen braucht, ist eine der offenen Grundfragen der Bewusstseinsforschung. Viele Debatten drehen sich darum, ob sich menschliche Gehirnfunktionen auf andere Materialien übertragen lassen. Doch damit könnte die Frage zu eng gestellt sein: Fremdes Bewusstsein müsste dem unseren womöglich gar nicht ähneln.
Ein noch nicht fachbegutachtetes philosophisches Arbeitspapier verschiebt deshalb den Blick von menschenähnlichen Systemen auf mögliche Lebensformen im gesamten Universum. Entscheidend ist nicht, ob ein fremdes Wesen unser Gehirn nachbauen kann, sondern ob Bewusstsein grundsätzlich in sehr unterschiedlichen materiellen Grundlagen entstehen könnte.
Der Philosoph Jeremy Pober von der University of Lisbon (ULisboa) hat gemeinsam mit Eric Schwitzgebel untersucht, wie stark Bewusstsein an einen bestimmten materiellen Unterbau gebunden sein könnte. Die Autoren sprechen von „Substratflexibilität“. Gemeint ist, dass dieselbe grob bestimmte Eigenschaft in unterschiedlichen Materialien verwirklicht werden kann. Ein Becher kann etwa aus Glas oder Keramik bestehen. Bewusstsein wäre nach ihrer These ebenfalls zumindest in erheblichem Maß substratflexibel.
Dafür bauen Pober und Schwitzgebel ein dreistufiges Argument auf. Erstens setzen sie für die Geschichte des beobachtbaren Universums bewusst konservativ mindestens 1.000 außerirdische Spezies mit komplexem zielgerichtetem Verhalten, Kommunikation und Kooperation an. Zweitens halten sie es aus astrobiologischen und biochemischen Gründen für wahrscheinlich, dass einige solcher Lebensformen auf deutlich anderen chemischen Bausteinen beruhen als irdisches Leben. Drittens wenden sie ein kopernikanisches Prinzip auf Bewusstsein an.
Dieses Prinzip besagt vereinfacht: Unter vergleichbar verhaltenskomplexen Wesen sollten wir Menschen uns ohne Gegenbeleg nicht als außergewöhnlich privilegiert betrachten. Wären nur Wesen mit unserer besonderen Biochemie bewusst, während ähnlich komplexe Lebensformen mit anderen chemischen Grundlagen vollständig ohne Erleben blieben, wäre die Erde in dieser Hinsicht ein auffälliger Sonderfall.
„Das Universum könnte Formen von Bewusstsein beherbergen, die fremdartiger sind, als wir uns vorstellen können“, sagt Eric Schwitzgebel von der University of California, Riverside (UCR).
Die Schlussfolgerung ist deutlich vorsichtiger, als sie zunächst klingt. Das Arbeitspapier weist weder außerirdisches Leben noch außerirdisches Bewusstsein nach. Auch die Zahl von mindestens 1.000 verhaltenskomplexen Spezies ist kein Messergebnis, sondern eine absichtlich niedrige Annahme für das Gedanken- und Plausibilitätsargument. Die Autoren wollen zeigen, dass schon unter einer solchen konservativen Annahme ein ausschließlich erdgebundenes Bewusstsein erklärungsbedürftig wäre.
Zudem behaupten sie nicht, jeder beliebige Stoff könne Bewusstsein tragen. Granitblöcke gelten auch in ihrem Modell nicht plötzlich als mögliche Träger von Erleben. Ebenso räumen sie ein, dass gerade menschenähnliches Bewusstsein stark von den biologischen Details unseres Gehirns abhängen könnte. Ihre These betrifft die allgemeinere Möglichkeit, dass ganz andere Formen des Erlebens auf ganz anderen chemischen und zellulären Architekturen beruhen.
Dabei stützen sie sich auch auf die denkbare Vielfalt außerirdischer Biochemie. Alternative Aminosäuren, andere Lösungsmittel oder abweichende molekulare Bausteine könnten Lebensformen hervorbringen, deren Signal- und Kontrollsysteme sich stark von Nervensystemen auf der Erde unter