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Wie gefährlich sind abgefahrene Winterreifen? ADAC liefert alarmierende Zahlen
Der ADAC hat erstmals gezielt teilabgefahrene Winterreifen getestet. Schon bei 4 mm Restprofil sinkt die Sicherheit deutlich: Bei 2 mm wird es kritisch.
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Winterreifen verlieren ihre Sicherheitsreserven deutlich früher als viele Autofahrer annehmen. Der ADAC hat gezielt teilabgefahrene Winterreifen untersucht und kommt zu „teilweise erschreckenden“ Ergebnissen: Schon bei 4 Millimetern Restprofil büßen die Reifen ein Viertel ihrer Aquaplaning-Sicherheit in Kurven ein. Bei 2 Millimetern, knapp über der gesetzlichen Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern, sind es über 50 Prozent.
Für den Test hat der Automobilclub fünf Winterreifenmodelle der Dimension 185/65 R15 im Neuzustand (circa 8 mm Profiltiefe) sowie bei 4 mm und 2 mm Restprofil geprüft. Im Fokus standen Modelle von Bridgestone, Kumho, Linglong, Michelin und Vredestein. Ziel war nicht der Vergleich einzelner Marken, sondern die grundsätzliche Tendenz: Wie verändert sich die Fahrsicherheit mit zunehmender Abnutzung?
Die Antwort fällt eindeutig aus. Bereits bei 4 mm Restprofil verlieren die getesteten Reifen im Durchschnitt 12 Prozent ihrer Sicherheitsreserve bei Aquaplaning in Geradeausfahrt. Beim Nasshandling verschlechtert sich die Durchschnittsnote von 2,4 auf 3,4. Auf Schnee sinkt die Traktion um knapp 9 Prozent, der Bremsweg verlängert sich um über 12 Prozent.
Besonders alarmierend: Die Verschlechterung verläuft nicht linear, sondern nimmt überproportional zu. Laut ADAC-Reifentest kosten die letzten 2 Millimeter Restprofil mehr Sicherheit als der gesamte Verschleiß von Neu bis 4 Millimeter. Bei 2 mm Profiltiefe verlängert sich der Nassbremsweg von 31,9 auf 37,3 Meter. Das entspricht einer Verlängerung der Anhaltestrecke von über 5 Metern beziehungsweise 17 Prozent. Im Nasshandling rutscht die Bewertung auf 4,7 ab, also in den Bereich „mangelhaft“.
Ein konkretes Beispiel verdeutlicht die Dimension: Der beste Reifen im Aquaplaning-Test verliert als Neureifen bei etwa 93 km/h den Kontakt zur Fahrbahn. Mit nur 2 mm Profil passiert das bereits bei circa 77 km/h. Auf Schnee fällt das Handling so schlecht aus, dass die ADAC-Bewertungsskala (bis Note 5,5) nicht mehr ausreicht, weil die Durchschnittsnote dann bei 7,2 läge.
Der ADAC weist auf einen tückischen Effekt hin: Abgefahrene Reifen vermitteln im Alltag ein trügerisches Gefühl der Sicherheit. Die Bremswege auf trockener Fahrbahn bleiben relativ kurz, was Fahrern suggeriert, das Auto im Griff zu haben. Doch Reifen mit geringer Profiltiefe übertragen Querkräfte und die Kombination aus Quer- und Längskräften deutlich schlechter. Bei Kurvenfahrten können Autofahrer daher viel früher die Kontrolle verlieren. Bei plötzlichem Aquaplaning in der Kurve sei das Fahrzeug laut ADAC nicht mehr beherrschbar.
Der physikalische Hintergrund: Mit abnehmendem Profil kann der Reifen immer weniger Wasser in den Rillen und Lamellen aufnehmen und verdrängen. Der Reifen schwimmt auf und kann keine Kräfte mehr übertragen. Gleichzeitig verringert sich der Grip auf Schnee, weil die Lamellen weniger Angriffsfläche bieten.
Der ADAC bestätigt mit dem Test seine bestehende Empfehlung: Winterreifen sollten spätestens bei 4 mm Restprofil ersetzt werden, Sommerreifen bei 3 mm. Die gesetzliche Mindestprofiltiefe von 1,6 mm reicht für sicheres Fahren nicht aus. Andere europäische Länder gehen bereits weiter: In Österreich und Tschechien müssen Winterreifen mindestens 4 mm Profil aufweisen, in Finnland sind es 3 mm.