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Industrielle Spionage: US-KI-Modelle werden laut Behörden massiv abgesaugt
US-Behörden warnen: Chinesische KI-Anbieter wie DeepSeek und Alibaba sollen massiv Wissen aus US-Modellen wie denen von OpenAI oder Google absaugen.
Drei US-Behörden warnen US-Unternehmen in einer Mitteilung davor, dass chinesische KI-Anbieter in großem Stil Wissen aus US-amerikanischen KI-Modellen absaugen. Der Geheimdienst NSA, die Cybersicherheitsbehörde CISA und die Bundespolizei FBI bezichtigen bekannte chinesische Firmen wie DeepSeek, Alibaba und Moonshot AI. Zu den betroffenen zählten US-Firmen wie OpenAI, Anthropic, Google und xAI. Zugleich geben die Behörden Ratschläge, wie der Destillation begegnet werden sollte.
Den chinesischen KI-Firmen gehe es vor allem um Fähigkeiten in der Programmierung, bei agentischen Aufgaben, Mathematik, bei Kundendialogen und im Reasoning, wie aus der CISA-Advisory hervorgeht. Dazu arbeiteten die Chinesen mit verschiedenen Tricks, um Ländersperren zu umgehen.
Das Trainieren von neuen KI-Modellen mithilfe vorhandener KI-Modelle – die sogenannte Destillation – ist eine in der KI-Branche übliche Vorgehensweise. Dazu werden dem bestehenden Modell viele Anfragen geschickt und diese für das Training ausgewertet. Die chinesischen KI-Firmen machten dies aber nicht wie andere als Teil ihres Trainings, sondern stützten ihre Weiterentwicklung zentral darauf, um mit ihren Modellen an die Fähigkeiten US-amerikanischer Anbieter aufschließen zu können.
Bereits im Februar hatte Anthropic chinesische Unternehmen beschuldigt, über mehr als 24.000 betrügerische Konten und 16 Millionen automatisierte Anfragen die eigenen Modelle mit Claude-Ausgaben trainiert zu haben. In der aktuellen Advisory werden DeepSeek, Moonshot AI, Alibaba, MiniMax, StepFun und Z.AI namentlich genannt. Im April hatten US-Botschaften weltweit Warnungen vor chinesischen Modellen verbreitet, nachdem das US-Außenministerium entsprechende Rundschreiben verschickt hatte. Die Behörden vermuten, dass dies mit Wissen der chinesischen Regierung geschieht.
Die Anfragen an die US-Modelle gingen über die normalen Programmierschnittstellen (APIs), über externe Cloud-Anbieter und über Vermittler-Dienste ein, die den Urheber der Anfrage verschleiern, heißt es. Konkret wurde Moonshot AI vorgeworfen, für sein Modell Kimi K3 eine ausgeklügelte interne Plattform zum schnellen Wechsel zwischen Zugriffsmethoden entwickelt zu haben, um einer Entdeckung zu entgehen. Die Firmen in China bedienten sich eines Graumarktes aus „Transfer Stations“, die helfen, Ländersperren zu umgehen.
Dieses industrielle Absaugen von Wissen falle dadurch auf, dass Konten plötzlich rund um die Uhr genutzt werden, ohne die für Menschen typischen Pausen. Weitere Auffälligkeiten seien Konten, die von Anfang an das volle Limit nutzen, Konten, die von verschiedenen Orten und Geräten gleichzeitig verwendet werden, und Prompts, die darauf abzielen, möglichst viele ähnliche Antworten zu erhalten, anstatt vielfältige Aufgaben zu lösen.
Betroffenen Unternehmen raten die US-Behörden, verdächtigen Nutzern schlechtere oder leicht veränderte Antworten zu liefern, ohne aber die Betroffenen darüber zu informieren. Zudem wird zum branchenweiten Austausch ermuntert, um verdächtige Aktivitäten firmenübergreifend besser erkennen zu können.
Die von den US-Behörden empfohlenen Maßnahmen könnten allerdings auch Nebenwirkungen haben. Ob die Vorwürfe gegen einzelne Firmen überhaupt stichhaltig sind, ist umstritten: Im Fall von Kimi K3 und Moonshot AI stellten unabhängige Forscher die Destillationsthese des Weißen Hauses grundlegend infrage. Dauerbetrieb und volle Auslastungen bei der KI-Nutzung treffen auch auf normale Firmenkunden zu. Damit könnten auch legitime Nutzer unter die Maßnahmen fallen. Peking seinerseits diskutiert ebenfalls Zugangsbeschränkungen: Chinesische Behörden prüfen, den Zugang zu Chinas fortschrittlichsten KI-Modellen aus dem Ausland einzuschränken – ein Zeichen, dass beide Seiten KI zunehmend als nationales Sicherheitsgut behandeln.
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