// SPIEGEL KULTUR — MODA & SOCIETÀ
»Das A-Team«: Netflix zeigt eine Doku über Mr. T. Laut Mr. T ist sie »Müll«
Mr. T als B.A. Baracus im »A-Team«: »Wenn man mich nicht kennt, denkt man, ich sei ein Monster«
Laurence Tureaud, 74, ist erstaunlicherweise noch immer eine Berühmtheit. Seit er 18 ist, nennt er sich Mr. T, weil sein Vater einst immer nur »Boy« genannt wurde. Seit mehr als 30 Jahren hatte er keine größeren Film- oder TV-Rollen mehr, hat er keine Wrestlingkämpfe gekämpft. Und doch hat er in seinen großen Zeiten in den Achtzigerjahren einen derart tiefen Eindruck hinterlassen, dass sich noch heute Menschen für Mr. T interessieren.
Deswegen hat sich Netflix entschlossen, ihm einen Film zu widmen, und zwar in der Sport-Dokureihe »Untold«. »Untold – Mr. T: Pity the Fool« steht seit Dienstag bei dem Streamingdienst zum Abruf . Mr. T selbst hat sich dafür ausführlich begleiten und interviewen lassen. Doch mit dem Ergebnis ist er nicht glücklich, um es diplomatisch auszudrücken. Er selbst sagt es in einem Interview mit dem »Guardian« prägnanter: »Es ist Müll.«
Fairerweise muss man sagen, dass die »Untold«-Filme keine dreiteiligen Dokuserien sind, sondern im Fall von Mr. T mit 48 Minuten kompakter als so manches Arte-Starporträt. Es wird darin der rapide Aufstieg des Mannes aus der Southside von Chicago gezeigt, zunächst zu »Amerikas bestem Türsteher« in einer TV-Gameshow, dann zu Sylvester Stallones Gegenspieler Clubber Lang im Boxfilm »Rocky III«. Dort sagt er den Satz »I pity the fool« – »Ich habe Mitleid mit dem Narren!«, der zu seinem Markenzeichen wird. Neben der von den afrikanischen Mandinka inspirierten Frisur, dem stieren Blick und den Goldketten.
»Das A-Team« mit George Peppard (vorn) und Mr. T (r.)
Den Höhepunkt seines Ruhms erreichte Mr. T in der Rolle des B.A. Baracus in der TV-Serie »Das A-Team«, wo hinter den Kulissen George Peppard eifersüchtig war: Der renommierte Schauspieler gab den Hannibal, den Anführer der Ex-Soldatengruppe. Doch die beliebteste Figur war klar B.A. Mr. T trat zusammen mit Hulk Hogan bei »Wrestlemania« auf; es gab eine Zeichentrickserie über ihn. Eine Zeit lang war Mr. T überall. (Lesen Sie hier eine persönliche Erinnerung an diese Zeiten, anlässlich des 65. Geburtstags von Mr. T.)
Doch die neue Doku stellt auch seinen Abstieg als ähnlich abrupt dar, die Rede ist von schlechten Entscheidungen, die Mr. T getroffen habe. Besonders die Aussagen seines ehemaligen Managers Peter Young stören ihn. Und dass sein Pastor zwei Tage lang interviewt wurde, davon aber nur 30 Sekunden verwendet worden seien. »Wenn man mich nicht kennt, denkt man, ich sei ein Monster.« Aus seiner Sicht zog er sich bewusst und freiwillig aus der Schauspielerei zurück. In den Neunzigerjahren überlebte er ein T-Zell-Lymphom, eine seltene Krebsart.
Mit seiner Kritik an der Darstellung des eigenen Lebens im Dokumentarfilm oder in der Dokuserie ist Mr. T nicht allein. Zuletzt hatte die deutsche Rapperin Shirin David ihre Unzufriedenheit öffentlich gemacht – und ihrer Kollegin Helene Fischer gratuliert, die ihre Zustimmung zur Netflix-Doku zurückgezogen hatte.