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Wer muss wie viel sparen im Gesundheitswesen?
Heute berät der Bundestag über den Gesundheits-Etat. Bei Kliniken, Arzneien oder auch Psychotherapeuten sollen nach dem Willen der Regierung Milliarden eingespart werden. Wen trifft es am härtesten?
Mit der Finanzreform in der Gesetzlichen Krankenversicherung will die Bundesregierung alleine im kommenden Jahr mehr als 16 Milliarden Euro einsparen - indem die Einnahmen erhöht und die Ausgaben gesenkt werden. Wie sind die Lasten genau verteilt?
Eine exklusive Berechnung des Gesundheitsökonomen Afschin Gandjour für den Hessischen Rundfunk kommt zu einem eindeutigen Ergebnis: Gemessen an ihren jeweiligen Ausgaben liegen die Einsparungen der großen Bereiche des Gesundheitswesens relativ nah beieinander. Sie bewegen sich zwischen 3,7 und 5,2 Prozent.
Gandjour, Gesundheitsökonom der Frankfurt School of Finance & Management, setzt die geplanten Minderausgaben für 2027 ins Verhältnis zu den jeweiligen Ausgaben der einzelnen Bereiche. So lassen sich die Belastungen vergleichen, obwohl die Sektoren unterschiedlich groß sind. "Man setzt das, was jetzt gekürzt wird, in Relation zu dem, was bisher ausgegeben wurde", sagt Gandjour. Die Belastungen liegen demzufolge "tatsächlich etwa zwischen vier und fünf Prozent".
Quelle: Afschin Gandjour von der Frankfurt School of Finance & Management.
Bei der Psychotherapie ist die Berechnung mit Unsicherheiten verbunden. Neben den im Gesetz ausgewiesenen Einsparungen berücksichtigt der Gesundheitsökonom auch mögliche zusätzliche Effekte durch geplante Budgetierung.
Die Berechnung zeigt: Gemessen an ihrer jeweiligen Größe wird kein großer Bereich des Gesundheitswesens deutlich stärker belastet als der andere. Die Regierung habe immer mit fairer Lastenverteilung argumentiert und das mehr oder weniger umgesetzt. Die Unterschiede liegen vielmehr bei den möglichen Folgen. "Wenn Sie nicht die Ineffizienzen angehen und pauschal vier bis fünf Prozent kürzen, müssen Sie mit negativen Folgen rechnen", sagt Gandjour. Die Frage ist also nicht nur, wer wie viel spart, sondern auch was durch die Einsparung passiert. Besonders deutlich wird das bei der Psychotherapie. Künftig sollen psychotherapeutische Leistungen stärker budgetiert werden.
Andrea Winter, Präsidentin der Psychotherapeutenkammer Hessen, befürchtet deshalb, dass für gesetzlich Versicherte weniger Therapieplätze angeboten werden könnten. Nach den Hausärzten stellen die Psychotherapeuten die zweitgrößte Fachgruppe der ambulanten Versorgung. Deren Zahl ist seit 2013 um 64 Prozent auf knapp 42.000 gestiegen. Trotzdem warten Betroffene häufig monatelang auf einen Therapieplatz. Winter befürchtet, dass sich die Situation durch die Reform weiter verschärfen könnten. Menschen ohne zeitnahe Behandlung sich verstärkt an Hausärzte, Psychiater oder Kliniken wenden. "Psychisch kranke Menschen sitzen ja nicht zu Hause und warten, sondern die wandern durch das System."
Die Pflegekassen haben im ersten Halbjahr ein Minus von 770 Millionen Euro eingefahren.
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Auch die Pharmaindustrie kritisiert die Reform. Besonders Hersteller patentgeschützter Arzneimittel sind betroffen. Der gesetzliche Herstellerabschlag steigt von bisher sieben auf 15,5 Prozent. Das bedeutet: Die Hersteller müssen künftig einen deutlich höheren Anteil des Preises beziehungsweise der Erstattung eines betroffenen Arzneimittels an die Krankenkassen abführen.