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Bauschutt soll helfen das Klima und die Meere zu retten
Zuviel Kohlendioxid macht die Meere sauer. Mit Betonabfall sollen sie alkalischer werden und wieder mehr Kohlendioxid aufnehmen können.
Mesokosmen im Hafen von Taliarte auf Gran Canaria: „Ein Abfallprodukt wird nicht automatisch zu einer nachhaltigen Lösung, nur weil es verfügbar ist.“
Durch den Anstieg der Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre versauern die Ozeane, was negativen Folgen für Meeresbewohner hat, deren Lebensgrundlage Kalk beinhaltet. Auf der spanischen Insel Gran Canaria startet ein Projekt, um der Versauerung der Meere entgegen zu wirken – mit Bauschutt.
Im Hafen von Taliarte bringen Forscher zwölf sogenannte Mesokosmen aus, abgeschlossene, schwimmenden Behälter, die mit Meerwasser gefüllt sind. Dort hinein schütten sie gemahlenen Betonschutt. Über einen Zeitraum von sieben Wochen soll gemessen werden, ob dieser die Alkalinität des Meerwassers erhöht und welche Auswirkungen das auf das marine Ökosystem hat, wie das Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung in Kiel mitteilte.
Mit dem Betonschutt soll die natürliche Verwitterung von Gestein nachgebildet werden. Dadurch steigt Alkinität des Meerwassers und damit seine Fähigkeit, Kohlendioxid, aus der Atmosphäre aufzunehmen. Gezielte Alkalinisierung (Ocean Alkalinity Enhancement, OAE) heißt das Verfahren. In dem vom Geomar geleiteten Projekt soll untersucht werden, wie die Ökosysteme auf verschiedene Alkalinitätsquellen, Konzentrationen und Eintragsformen reagieren.
Die Ozeane nehmen viel Kohlendioxid aus der Atmosphäre auf. Durch den Anstieg der Konzentration steigt auch die Konzentration in den Meeren an, die dadurch versauern. Leidtragende sind Organismen, die Kalkstrukturen bilden, wie Korallen oder Muscheln.
Um die Klimaziele zu erreichen, reicht es jedoch nicht mehr aus, nur Emissionen zu mindern. Die Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre muss verringert werden (Carbon Dioxide Removal, CDR). Die Hoffnung ist, dass unter anderem durch OAE zu erreichen.
Beton enthält Zement, der alkalische Eigenschaften hat. Fein gemahlen könnte der Bauschutt als Alkalinitätsquelle dienen. Den gibt es auch in großem Maß: Geschätzt fünf Milliarden Tonnen fallen pro Jahr an, wovon nur ein Teil weiterverwendet. Betonschutt ist laut Geomar „weltweit einer der größten Abfallströme“. Auf diese Weise ließe sich also ein doppelter Nutzen erzielen.
OAE soll den pH-Wer des Meerwassers steigern, sodass es mehr Kohlendioxid aufnehmen und in stabileren gelösten Formen speichern kann. Unklar ist jedoch, wie marine Ökosysteme auf unterschiedliche Alkalinitätsquellen, Konzentrationen und der Art des Eintrags reagieren. Zudem können die Betonpartikel das Wasser trüben oder Kleinstlebewesen beeinträchtigen, was wiederum Auswirkungen auf die Nahrungsnetze haben könnte.
„Ein Abfallprodukt wird nicht automatisch zu einer nachhaltigen Lösung, nur weil es verfügbar ist“, sagte Kai Schulz von der Southern Cross University in Australien, Co-Leiter des Experiments. „Wir brauchen Daten, die zeigen, unter welchen Bedingungen OAE ökologisch vertretbar sein könnte und wo die Grenzen liegen.“