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E-Mobilität: Warum sich Frauen in Pakistan über den E-Roller-Boom freuen
E-Motorroller boomen in Pakistan. Die Regierung unterstützt den Trend mit günstigen Krediten und Steuervorteilen. Frauen profitieren in besonderer Weise.
„Pakistan hat den Frauen ein Stückchen Freiheit gegeben: Und zwar als Scootie“, sagt Khadija und strahlt über das ganze Gesicht. „Scootie“ – so nennen sie hier in Pakistan die Elektro-Motorroller, die derzeit gerade bei Frauen im Land so gut ankommen.
Die Entscheidung für den Elektroroller sei für sie keine Frage des Geldes gewesen, sagt die 20-jährige Dermatologie-Studentin mitten in der Metropole Lahore. Auch das Benzin für ein Motorrad könnte sie sich leisten. „Aber der Unterschied zwischen den beiden ist“, sagt sie und deutet auf ihren schwarz-grauen E-Roller: „Der da ist in meiner Kultur erlaubt. Menschen akzeptieren den.“
Vorher habe sie sich immer zu einem Fremden ins Taxi setzen müssen, um zur Uni zu fahren. Auf Motorrädern sieht man in dem muslimisch-konservativen Land Frauen zumeist hinter Männern sitzen – seitlich, mit beiden Beinen auf einer Seite. Aber auf einem Motorroller sitzt man mit geschlossenen Beinen – daher ist Khadija seit einem Jahr auch für Besorgungen in der Nachbarschaft mobil: „Ich nehme mir einfach meinen Scootie und bin unterwegs.“
Dort, wo sich Lahore im Umland verläuft, reihen sich Industrieanlagen aneinander und ein holpriger Feldweg führt zu einem Fabrikgelände. Auf dem Parkplatz stapeln sich Metallgerippe, daneben: Reihen fertiger E-Roller. Drinnen steht zur Mittagspause die Produktionsstraße still und Saad Farrukh empfängt zum Gespräch in seinem Büro.
Von hier aus führt der 37-Jährige das pakistanische Unternehmen Evee, den Marktführer für E-Roller im Land. Er setzt auf Frauen als künftige Abnehmerinnen: In Familien mit vielen Kindern bekäme sicherlich nicht jedes ein Auto und an Mädchen gingen die in der Regel ohnehin nicht, erklärt Farrukh. „Ich wollte eine günstige Lösung für Frauen“, sagt er. Und dann seien da noch die jungen Männer der oberen Mittelschicht, für die ein Motorrad kein Zeichen von Status sei.
Während sich die Nachfrage in Deutschland in den vergangenen Jahren nicht merklich steigerte, boomt das E-Roller-Geschäft in Ländern Asiens. In Pakistan sind es mittlerweile mehr als hundert Start-ups, die die Produktionszahlen höher treiben. Die Regierung weist für das Geschäftsjahr bis Ende Juni 164.000 für den heimischen Markt produzierte elektrische Zweiräder aus – im Vorjahr waren es noch 61.000. Bei etwa 250 Millionen Einwohnern und 2 Millionen jährlich produzierten Motorrädern ist das zwar immer noch überschaubar – aber das Potenzial für Wachstum ist groß.
Zuletzt sorgte der US-Iran-Konflikt für noch größeren Andrang in den Läden, wie E-Roller-Verkäufer berichten. Weil Pakistan extrem abhängig von Energielieferungen vom Golf ist, wurde Sprit sprunghaft teurer. „Der jüngste Krieg hat die Elektrifizierung erheblich beschleunigt“, sagt auch Unternehmer Farrukh.
In China – nach Indien das bevölkerungsreichste Land der Welt – sind laut Internationalem Energieausblick der IEA rund 95 Prozent der weltweiten Neuzulassungen elektrischer Zwei- und Dreiräder in China registriert. Und China steckt auch hinter dem Boom in Pakistan: Die Mehrzahl der Komponenten für seine Roller importiere er von dort, erklärt Unternehmer Farrukh. An der Produktionsstraße unterhalb seines Büros setzen Arbeiter mit Schrauben Einzelteile zusammen. Lediglich die einfach zu produzierenden Teile kämen derzeit aus Pakistan.
Die Regierung unterstützt die Branche aktiv – sie will das heimische Wirtschaftswachstum ankurbeln und den Automobilsektor stärken. Eigentlich gelten in Pakistan hohe Importzölle, deswegen sind Autos auch gebraucht hier häufig teurer als in Deutschland. Aber Einfuhrzölle für Teile von Elektro-Fahrzeugen wurden abgeschafft, die Mehrwertsteuer stark gesenkt. So fallen die Verkaufspreise im unteren E-Segment schon fast auf das gleiche Niveau wie Benziner, etwa die beliebte Honda CD 70.