// SPIEGEL KULTUR — MODA & SOCIETÀ
»Tatort«-Vote: Wie gefiel Ihnen »König in Gelb« mit Maria Furtwängler?
Szene mit Maria Furtwängler und Thomas Thieme: Sieht so ein Psychokiller aus?
»Ich hasse Demente. Dieser dumme Blick und die Arschlochmotorik.« Der Mann, der diese vulgäre Herabsetzung ausstößt, weiß genau, wovon er spricht. Auch er wird bald von diesem Blick, von dieser Motorik heimgesucht werden.
Hauptkommissar Vogel (Andreas Lust) steht am Anfang einer Demenz. Aber er hat noch einen letzten Fall, den er lösen will, bevor sein Gedächtnis ganz versagt: In einem Demenzdorf glaubt er jenen Serienkiller entdeckt zu haben, der zwischen 1987 und 2006 sieben Menschen getötet hat, aber bislang nicht überführt werden konnte. Es handelt sich um einen berühmten ehemaligen Musikpädagogen, in dessen stieren Blick nur dann etwas Leben kommt, wenn die Pflegerinnen Kinderlieder anstimmen.
Ein Serienkiller, der seine Taten vergessen hat, trifft auf einen Ermittler, der selbst langsam sein Gedächtnis verliert - was für ein gewagter »Tatort«-Saisonauftakt! Dass das Experiment aufging, lag nicht nur an dem begnadeten Episodenhauptdarsteller Lust, sondern auch an Maria Furtwängler, die hier einen ihrer stärksten Auftritte als LKA-Ermittlerin Charlotte Lindholm überhaupt hatte.
Das Thema Demenz wurde in den letzten zwei Jahrzehnten immer wieder in der Krimireihe verhandelt, etwa 2011 in der Münchner Folge »Gestern war kein Tag« oder 2018 in der Bremer Folge »Im toten Winkel«. Nie aber wurde der Stoff so raffiniert zu einem Krimiplot verdichtet.
In unserem Schnellcheck schrieben wir: »Im Jahr 2030 werden drei Millionen Menschen in Deutschland an Demenz erkankt sein, heißt es einmal im Laufe der Handlung. Trotz solcher Informationseinschübe ist dieser ›Tatort‹ kein Themenfilm, der sich sozialpolitisch an einer Problemlage abarbeitet. Stattdessen liefert Regisseur und Autor Alexander Adolph, der zuvor unter anderem die sensationelle Münchner »Polizeiruf«-Folge »Morgengrauen« gedreht hat, einen Ermittlungsthriller, der den Erinnerungsdefekt lustvoll, manchmal unerwartet lustig zum Teil der Erzählung macht. (...) Wenn dein Gedächtnis dein ärgster Feind wird: Dieser Krimi wühlt auf und hält bis zum Schluss die Spannung.«
Die neue Ausstrahlungsperiode des »Tatort« wird von vielen Abschieden und Neuzugängen geprägt. Schon im Oktober wird Rosalie Thomass eine feste Rolle in der Reihe übernehmen, sie wird dann als Kriminalhauptkommissarin Emila Rathgeber im fränkischen TV-Revier an der Seite von Fabian Hinrichs zu sehen sein. Dort hatte Dagmar Manzel die weibliche Hauptrolle gespielt, bis sie sich 2024 mit einer fantastischen Folge verabschiedete.
Neu aufgestellt wird auch das Münchner Ermittlerteam. Im April hatten sich nach 100 Fällen die beiden Veteranen Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl in einer Doppelfolge verabschiedet. Ferdinand Hofer, der bislang den Assistenten spielte, wird jetzt neuer Hauptermittler. Die Rolle seines Partners übernimmt dann Carlo Ljubek, er wird einen SEK-Beamten verkörpern. Die Ausstrahlung der Antrittsfolge ist für Anfang 2027 geplant.
Zuvor nimmt aber noch das Wiener Ermittlungsteam Abschied. Um Weihnachten herum sind Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser das letzte Mal zu sehen. Ob das nachfolgende Team den besonderen Mix aus Schmäh und politischer Schärfe hinbekommt? Ab 2027 sollen Miriam Fussenegger und Laurence Rupp als Halbgeschwister Charlotte »Charlie« Hahn und Alex Maleky Kriminalfälle in Wien lösen.
Kommissar-Karussell: Alle »Tatort«-Teams im Überblick