// TAGESSCHAU AUSLAND — MONDO
Israelische NGO kritisiert Israels Politik im Westjordanland
Die israelische Menschenrechtsorganisation B'Tselem erhebt schwere Vorwürfe gegen Israels Politik im Westjordanland: Die Maßnahmen seien Teil einer systematischen Strategie zur Zerstörung der palästinensischen Lebensgrundlagen.
Mehr als 900 Straßensperren, Erdwälle und Metalltore: Das israelische Militär hat das besetzte Westjordanland mit einem dichten Netz aus Blockaden überzogen. Was die israelische Regierung offiziell als Schutz vor Terrorismus und als Maßnahme für die Sicherheit israelischer Staatsbürger begründet, bewertet die israelische Menschenrechtsorganisation B'Tselem völlig anders. In einer neu vorgestellten Studie spricht die Organisation von einer gezielten politischen Strategie zur "Auslöschung der palästinensischen Gemeinschaft".
B’Tselem zieht in dem Bericht eine düstere Bilanz: Die israelischen Aktionen im Westjordanland seien keine isolierten Menschenrechtsverletzungen, sondern ein systematisches Projekt. Ziel sei es, die Grundlagen des kollektiven palästinensischen Lebens - samt Land, Kultur und Institutionen - gezielt zu zerstören und gleichzeitig die jüdische Souveränität über das gesamte Gebiet zu zementieren.
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Wie sich diese Strategie im Alltag auswirkt, zeigt sich an der Nationalstraße 60 zwischen Jerusalem und Hebron. An der Abzweigung zum Dorf Sa’ir versperrt ein massives rotes Stahltor des israelischen Militärs den Weg - aufgestellt fast über Nacht.
Bewohner Heitham Adnan Murad muss seine zwölfjährige, frisch operierte Tochter über das Hindernis heben, um sie auf der anderen Seite in ein wartendes Auto zu legen. "Auf dem Weg ins Krankenhaus war die Straße noch offen. Jetzt sind wir überrascht, dass sie gesperrt ist", berichtet er. Reisende müssen ihr Gepäck zu Fuß vorbeischleppen, Lkw-Ladungen werden vor den Toren von Hand umgeladen.
Besonders drastisch sind die Folgen für die medizinische Versorgung. Hazim Al Shalaldah, ärztlicher Direktor des Al-Mizan-Krankenhauses in Hebron, berichtet von enormen Zeitverlusten beim Patiententransport. In einem Fall habe der Transport eines Verletzten aus einem nur sechs Kilometer entfernten Dorf zwei Stunden gedauert: "Als er eintraf, war er bereits tot."
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01.06.2026