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Klimaextreme im Amazonasgebiet verschärfen sich unerwartet schnell
Die Klimaextreme im Amazonasgebiet verschärfen sich deutlich schneller, als die Durchschnittswerte vermuten lassen. Besonders im zentralen Norden stiegen extreme Trockenzeittemperaturen auf mehr als 700.000 Quadratkilometern seit 1981 um mindestens 3,22 Grad Celsius. Eine neue Analyse zeigt damit, dass bislang weniger beachtete, weitgehend intakte Regionen zu neuen Klimarisikozonen des Regenwaldes gehören.
Lancaster (England). Der Amazonas erwärmt sich nicht überall gleich. Während der Süden bei den mittleren Temperaturen weiterhin besonders schnell wärmer wird, zeigt sich für extreme Hitze und atmosphärischen Wasserstress ein anderes Muster. Gerade im zentralen Norden nehmen die stärksten Ausschläge besonders rasch zu.
Solche Extrembedingungen sind für Wälder, Gewässer und Menschen oft entscheidender als langjährige Mittelwerte. Sehr heiße und trockene Phasen können Brände begünstigen, Pflanzen stärker unter Wasserstress setzen und die Folgen niedriger Flussstände verschärfen. Bisher fehlte jedoch eine hochaufgelöste Analyse, die Durchschnittstrends und Extremtrends für das gesamte Amazonasgebiet vergleichbar erfasst.
Forscher der Lancaster University um Prof. Jos Barlow haben dafür Klimadaten für rund sieben Millionen Quadratkilometer ausgewertet. Barlow ist der in der Fachpublikation zuerst genannte Corresponding Author. Das Team unterteilte Amazonien in 57.900 Rasterzellen mit rund elf Kilometern Kantenlänge und untersuchte den Zeitraum von 1981 bis 2023.
Für Temperatur und Dampfdruckdefizit nutzten die Wissenschaftler ERA5-Land-Daten, für den Niederschlag den CHIRPS-Datensatz. Das Dampfdruckdefizit beschreibt vereinfacht, wie stark die Luft der Vegetation Wasser entziehen kann. Zusätzlich berechnete das Team ein Wasserdefizit, bei dem der temperaturabhängige Wasserverlust berücksichtigt wird.
Entscheidend war, dass die Forscher die Trockenperiode für jede Rasterzelle gesondert bestimmten. Anschließend verglichen sie zentrale Trends mit den Rändern der statistischen Verteilung. Auf diese Weise lässt sich erfassen, ob sich besonders heiße oder trockene Bedingungen schneller verändern als typische Jahre.
Im gesamten Amazonasgebiet nahm das 95. Perzentil der maximalen Temperatur in der trockensten Periode im Mittel um 0,49 Grad Celsius pro Jahrzehnt zu. Das entspricht 2,11 Grad Celsius über 43 Jahre. Die mittlere Jahrestemperatur stieg im zentralen Trend dagegen um 0,21 Grad Celsius pro Jahrzehnt beziehungsweise um 0,90 Grad Celsius im gesamten Zeitraum.
Noch auffälliger ist die räumliche Verteilung. Auf mehr als 700.000 Quadratkilometern im zentralen Norden, also auf rund zehn Prozent des untersuchten Bioms, stiegen extreme Trockenzeittemperaturen um mindestens 0,75 Grad Celsius pro Jahrzehnt. Über 43 Jahre entspricht das mindestens 3,22 Grad Celsius. Auch beim Dampfdruckdefizit und beim temperaturabhängigen Wasserdefizit konzentrierten sich besonders schnelle Extremtrends auf diese Region.
Damit entstehen zwei unterschiedliche Karten des Klimawandels. Bei den mittleren Temperaturtrends bleibt der südliche Amazonas der Schwerpunkt der stärksten Erwärmung. Bei den extremen Temperaturen und beim atmosphärischen Wasserstress verschiebt sich der Hotspot dagegen in den zentralen Norden, der bislang weniger im Mittelpunkt der Klimarisikoforschung stand.
Die Zeitreihe endet mit der außergewöhnlich heißen und trockenen Saison 2023/24. Deshalb prüften die Autoren, ob dieses einzelne Ereignis das Muster dominierte. Ohne den letzten Zeitraum fielen die berechneten Extremtrends erwartungsgemäß schwächer aus. Die räumliche Verteilung blieb jedoch weitgehend erhalten, und der zentrale Norden zeigte weiterhin die höchsten Zunahmen mehrerer Extremkennwerte.