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Nicht der BMI: Zwei Körpermaße sind mit fast verdoppeltem Sterberisiko verbunden
Ein großer sagittaler Bauchdurchmesser zusammen mit geringer relativer Griffkraft könnte auf ein besonders ungünstiges Gesundheitsprofil hinweisen. In einer US-Kohorte mit 5.674 Erwachsenen war diese Kombination mit einer nahezu verdoppelten Sterberate verbunden. Das Bauchmaß allein zeigte dagegen keinen statistisch gesicherten Zusammenhang mit der Sterblichkeit, und die Beobachtungsstudie belegt keine Ursache.
Chengdu (China). Der Body-Mass-Index (BMI) ordnet das Körpergewicht im Verhältnis zur Größe ein, zeigt aber nicht, wo Fett sitzt oder wie kräftig die Muskulatur ist. Genau diese beiden Informationen könnten gemeinsam Hinweise liefern, die ein Gewichtswert allein nicht erfasst.
Besonders ungünstig könnte das Zusammentreffen von viel zentralem Fett und geringer Muskelkraft sein, ein Muster, das als dynapenische Adipositas bezeichnet wird. Bisherige Studien stützten sich dafür häufig auf BMI oder Taillenumfang sowie absolute Griffkraft, wodurch Menschen mit unterschiedlicher Körperstatur ähnlich eingestuft werden können, obwohl sich Fettverteilung und Kraftprofil unterscheiden.
Ein Forschungsteam aus Chengdu hat deshalb den sagittalen Bauchdurchmesser mit der relativen Griffkraft kombiniert. Der Bauchdurchmesser dient als einfaches Maß für zentrale und insbesondere viszerale Fettansammlung, während die Griffkraft nicht nur absolut, sondern relativ zur Körperstatur bewertet wurde.
Für die Analyse nutzte das Team Daten der US-amerikanischen National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES) aus den Jahren 2011 bis 2014. Nach Ausschlüssen blieben 5.674 Erwachsene, die im Median 6,75 Jahre nachverfolgt und anhand beider Messgrößen vier Gruppen zugeordnet wurden. 3.583 Personen hatten keines der beiden Merkmale, 642 nur abdominale Adipositas, 591 nur geringe relative Griffkraft und 858 die Kombination aus beiden Merkmalen.
Während der Nachbeobachtung starben 373 Teilnehmer. Bei Menschen mit dynapenischer Adipositas lag die Hazard Ratio für die Gesamtsterblichkeit gegenüber der Referenzgruppe bei 1,97 mit einem 95%-Konfidenzintervall von 1,41 bis 2,75, womit das relative Sterberisiko im Modell nahezu verdoppelt war.
Auch eine geringe relative Griffkraft allein war mit einer erhöhten Sterblichkeit verbunden, mit einer Hazard Ratio von 1,60 und einem 95%-Konfidenzintervall von 1,11 bis 2,30. Ein großer sagittaler Bauchdurchmesser ohne geringe Griffkraft zeigte dagegen keinen statistisch gesicherten Zusammenhang mit der Gesamtsterblichkeit, sodass die Kombination deutlicher auffiel als das Bauchmaß für sich.
Der Zusammenhang für die kombinierte Gruppe blieb auch bestehen, nachdem die Modelle unter anderem Alter, sozioökonomische Faktoren, Lebensstil und Begleiterkrankungen berücksichtigt hatten. Solche statistischen Anpassungen verringern bekannte Verzerrungen, können in einer Beobachtungsstudie aber unbekannte oder unvollständig erfasste Einflussfaktoren nicht ausschließen.
Das Team prüfte außerdem explorativ, ob Entzündung und längerfristig erhöhte Blutzuckerwerte einen Teil des Zusammenhangs erklären könnten. Ein kombinierter Entzündungsindex erklärte statistisch 5,8 Prozent der beobachteten Verbindung und der Langzeitblutzuckerwert HbA1c 13,7 Prozent, sodass der größte Teil des Zusammenhangs ungeklärt blieb.
Diese Vermittlungsanalysen sind besonders vorsichtig zu interpretieren, weil die Körpermerkmale und Biomarker gleichzeitig erfasst wurden und die Daten deshalb keine zeitliche Abfolge belegen. Die Ergebnisse zeigen damit weder einen ursächlichen Mechanismus noch, dass Entzündung oder ein erhöhter HbA1c die zusätzliche Sterblichkeit verursachen.