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Denuvo verklagt anonymen DRM-Cracker wegen 26 Spielen – doch der macht einfach weiter
Denuvo zieht gegen voices38 vor Gericht und will dessen Identität mithilfe von Reddit, Discord und Valve aufdecken.
Denuvo geht jetzt auch juristisch gegen einen seiner hartnäckigsten Gegenspieler vor. Im Visier steht die bislang unbekannte Person oder Gruppe hinter dem Pseudonym voices38, die Denuvos Anti-Tamper-Technik bei mindestens 26 Spielen ausgehebelt haben soll.
Die Klage wurde am 14. September beim US District Court for the Northern District of California eingereicht. Denuvo fordert Schadenersatz und eine gerichtliche Verfügung, die voices38 daran hindern soll, den Schutz des Unternehmens künftig weiter zu umgehen. Und mit künftig meint Denuvo tatsächlich künftig: Die Forderung bezieht sich ausdrücklich auch auf Spiele, die noch gar nicht erschienen sind.
Die Klageschrift führt insgesamt 26 Spiele auf. Darunter befinden sich unter anderem Hogwarts Legacy, Black Myth: Wukong, Doom: The Dark Ages, Assassin's Creed Mirage, Sonic Frontiers, Stellar Blade, Resident Evil Requiem, Pragmata, Mafia: The Old Country und 007 First Light. Auch ältere Titel wie FIFA 20, PES 2020 und Anno 1800 stehen auf der Liste.
Denuvo wirft voices38 vor, den Anti-Tamper-Schutz der Spiele durch Reverse Engineering umgangen und damit die Erstellung und Verbreitung raubkopierter Versionen ermöglicht zu haben. Juristisch interessant ist dabei, worum es in der Klage nicht geht: Denuvo besitzt die Urheberrechte an den betroffenen Spielen nicht und klagt deshalb nicht wegen klassischer Copyright-Verletzungen.
Stattdessen beruft sich das Unternehmen auf die Anti-Circumvention-Bestimmungen des US-amerikanischen Digital Millennium Copyright Act. Diese verbieten unter bestimmten Voraussetzungen bereits das Umgehen technischer Schutzmaßnahmen beziehungsweise die Verbreitung entsprechender Werkzeuge oder Anleitungen.
Ein kleines Problem gibt es allerdings noch: Denuvo weiß offenbar nicht, wen das Unternehmen da eigentlich verklagt. In der Klageschrift wird voices38 lediglich als unbekannte Person oder Organisation geführt. Ganz ohne Spuren ist der Cracker allerdings nicht geblieben.
Denuvo nennt in den Unterlagen einen Reddit-Account, eine Discord-ID und sieben Steam-Profile, die mit voices38 in Verbindung stehen sollen. Durch das laufende Verfahren könnte das Unternehmen versuchen, Reddit, Discord und Valve zur Herausgabe von Accountdaten zu bewegen und darüber die Identität hinter dem Pseudonym zu ermitteln.
Bislang scheint sich voices38 davon wenig beeindrucken zu lassen. Nachdem die Klage öffentlich geworden war, meldete sich der Account auf Reddit zu Wort. Sinngemäß: Alles sei in Ordnung und es gehe weiter wie bisher. Tatsächlich ist selbst die Liste der 26 Spiele inzwischen schon wieder veraltet. voices38 veröffentlichte zuletzt weitere DRM-Cracks, darunter für Persona 3 Reload und Star Wars Outlaws.
Ob Denuvo die Person hinter voices38 tatsächlich identifizieren kann, ist damit noch offen. Die Richtung ist allerdings klar: Statt ausschließlich den eigenen Kopierschutz technisch aufzurüsten, versucht das Unternehmen nun, einen seiner produktivsten Gegenspieler aus dem Verkehr zu ziehen.