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Produktivitätsverluste: Eine Tonne CO₂ kostet 41 Dollar an Arbeitsleistung
Unterschätzte Klimafolge: Hitze bremst körperliche Arbeit und verursacht dadurch weltweit erhebliche wirtschaftliche Verluste. Ein neues Modell beziffert die hitzebedingten Produktivitätsschäden einer 2025 zusätzlich ausgestoßenen Tonne CO₂ auf durchschnittlich 41 US-Dollar, bei einer großen Unsicherheitsspanne von 1 bis 108 Dollar. Besonders stark betroffen sind Teile Asiens und Afrikas.
Davis (U.S.A.). Steigende Temperaturen belasten nicht nur Gesundheit und Wohlbefinden, sondern können auch die Arbeitsleistung drücken. Besonders bei körperlich anstrengenden Tätigkeiten zwingen Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit Beschäftigte zu mehr Pausen oder zu einem geringeren Arbeitstempo. Wie groß die daraus entstehenden weltweiten wirtschaftlichen Schäden sind, war bislang jedoch nur unvollständig in umfassenden Klimakostenmodellen erfasst.
Das ist relevant, weil die sogenannten sozialen Kosten von Kohlendioxid die erwarteten Schäden einer zusätzlichen Tonne CO₂ in einen heutigen Geldwert übersetzen. Solche Schätzungen bündeln sehr unterschiedliche Folgen des Klimawandels, etwa hitzebedingte Todesfälle, Energieverbrauch, Meeresspiegelanstieg, Ernteverluste und nun auch Produktivitätsverluste bei der Arbeit. Die Ergebnisse sind deshalb Modellwerte mit Unsicherheiten und keine konkrete Rechnung für einzelne Betriebe oder Länder.
Forscher der University of California, Davis (UC Davis) um Frances C. Moore haben nun untersucht, wie sich zunehmender Hitzestress auf die globale Arbeitsproduktivität und damit auf die Klimakosten auswirkt. Dafür kombinierten sie hochaufgelöste Klimaprojektionen mit der Wet-Bulb Globe Temperature (WBGT), einem Hitzeindex, der neben der Temperatur auch Luftfeuchtigkeit, Wind und weitere Faktoren der Wärmebelastung berücksichtigt.
Hinzu kamen Angaben dazu, wie körperlich anstrengend verschiedene Tätigkeiten sind, wie viel davon im Freien stattfindet und wie stark sich die Bedingungen regional unterscheiden. Zwei unterschiedliche Reaktionsfunktionen übersetzten den Hitzestress in mögliche Einbußen der Arbeitsleistung. Anschließend ließen die Forscher die Veränderungen durch ein gesamtwirtschaftliches Modell laufen, das Anpassungen von Produktion, Konsum und Handel berücksichtigt.
„Unsere Studie trägt zur Beweislage darüber bei, was die tatsächlichen Kosten des Klimawandels sind“, erklärt Frances C. Moore.
Die Analysen ergeben für eine im Jahr 2025 zusätzlich ausgestoßene Tonne CO₂ durchschnittlich 41 US-Dollar an hitzebedingten Produktivitätsschäden. Das 90-Prozent-Konfidenzintervall reicht von 1 bis 108 Dollar und zeigt, wie breit die Unsicherheit um den Mittelwert bleibt. In der Modellrechnung wird Arbeit damit nach hitzebedingten Todesfällen zum zweitgrößten einzelnen Beitrag innerhalb der betrachteten Klimaschäden.
„Auf Basis dieser neuen Zahlen sind Arbeitsverluste der zweitgrößte Beitrag zu den gesamten sozialen Kosten von Kohlendioxid, knapp hinter hitzebedingten Todesfällen“, erklärt Frances C. Moore.
Die Belastung verteilt sich allerdings sehr ungleich. Besonders hohe Verluste treten demnach in Süd-, Ost- und Südostasien sowie in Afrika auf. Landwirtschaft und Bauwesen sind stärker betroffen als Büro- und viele Dienstleistungsberufe, weil dort häufiger schwere körperliche Arbeit im Freien anfällt. Doch auch Beschäftigte in Innenräumen können stark belastet sein, wenn Kühlung oder Klimaanlagen fehlen.
Bemerkenswert ist zudem, dass die neue Arbeitskomponente den gesamten geschätzten Klimaschaden nicht einfach nach oben verschiebt. Das Team aktualisierte zugleich die landwirtschaftliche Schadensfunktion anhand neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse. Dadurch sank der geschätzte Agrarschaden von 95 auf 29 Dollar je Tonne CO₂. Zusammen senken beide Änderungen den Erwartungswert der sozialen Kosten von Kohlendioxid im verwendeten Modell von 204 auf 179 Dollar je Tonne.