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Deutschlands größter römischer Münzschatz aus Hadrians Zeit entdeckt
Auf einem Acker bei Wesseling sind 934 römische Silberdenare geborgen worden. Die jüngste Münze stammt aus den Jahren 124/125 nach Christus, weshalb der Hort in die Regierungszeit Kaiser Hadrians fällt. Mit 3,1 Kilogramm Silber ist der Fund nach Angaben des LVR der größte bekannte hadrianische Münzschatz Deutschlands.
Bonn (Deutschland). Römische Münzhorte sind mehr als angesammeltes Edelmetall. Ihre Zusammensetzung zeigt, welche Münzen lange im Umlauf blieben, und der Fundzusammenhang kann verraten, wie Menschen ihr Vermögen aufbewahrten. Der neue Hort aus Wesseling verbindet beides, weil die Münzen über fast drei Jahrhunderte hinweg geprägt wurden und der ursprüngliche Behälter zumindest in Resten erhalten blieb.
Der Wesselinger Fund geht auf eine genehmigte Suche im Herbst 2025 zurück. Oliver Riedl hatte auf einem Acker bereits 15 Silbermünzen geborgen, als sein Metalldetektor weiter anschlug. Statt weiterzugraben, informierte er das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland (LVR-ABR), dessen Außenstelle Nideggen die anschließende Bergung übernahm.
„Für mich war klar, dass hier etwas Größeres im Boden liegt. Ich habe daher umgehend das Amt verständigt“, schildert Oliver Riedl.
Die Archäologen sicherten insgesamt 934 römische Denare mit einem Gesamtgewicht von 3,1 Kilogramm. Die jüngste Münze wurde 124/125 nach Christus geprägt und setzt damit den frühestmöglichen Zeitpunkt für die Niederlegung des Schatzes. Die älteste Prägung stammt dagegen aus dem Jahr 148 vor Christus und war beim Vergraben bereits mehr als 270 Jahre alt.
Der Großteil der Münzen stammt aus der Zeit der flavischen Kaiser zwischen 69 und 96 nach Christus. Nach Einschätzung des LVR wurde das Vermögen vermutlich um 100 nach Christus zusammengetragen und erst später in hadrianischer Zeit vergraben. In Deutschland ist kein größerer Münzhort aus dieser Epoche bekannt. Weltweit ordnet das LVR den Fund als fünftgrößten bekannten Münzschatz aus dieser Zeit ein.
Wie groß die Summe für einen Menschen des zweiten Jahrhunderts war, lässt sich nur näherungsweise einordnen. Einen Vergleich liefert der Sold römischer Legionäre. Dr. Rahel Otte vom LVR-ABR, die die Münzen eingehend untersucht hat, verweist auf einen Jahressold von 300 Denaren, von dem ungefähr die Hälfte für Lebensmittel und Ausrüstung einbehalten wurde.
„Ein Legionär hätte somit rund sechs Jahre sein gesamtes verfügbares Geld sparen müssen, um den Wesselinger Schatzfund anzusammeln“, erklärt Dr. Rahel Otte.
Wer das Geld tatsächlich zusammengetragen hat, ist unbekannt. Möglich ist nach Angaben des LVR, dass der Besitzer oder die Besitzerin auf einem römischen Landgut in der Umgebung lebte. Ebenso offen bleibt, weshalb der Hort nie wieder gehoben wurde. Dr. Erich Claßen, Landesarchäologe und Leiter des LVR-ABR, hält eine bewusste Sicherung des Vermögens für die wahrscheinlichste Erklärung.
„Wir können über die Beweggründe natürlich nur spekulieren, aber sehr wahrscheinlich wollte jemand dieses Geld sicher aufbewahren. Denn Banken gab es damals noch nicht“, erklärt Dr. Erich Claßen.