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Discord führt Monate nach der ersten Verzögerung ein umstrittenes Altersverifizierungssystem ein
Nach Protesten setzt Discord auf datensparsame Methoden: Altersschätzungen und Store-Bestätigungen ersetzen den Ausweiszwang.
Im Februar legte Discord die Einführung seines umstrittenen Systems zur Altersverifikation erst einmal auf Eis. Grund dafür war der lautstarke Protest der Community gegen die Pläne des Unternehmens. Mittlerweile kehren die Altersprüfungen zurück. Laut Mitgründer und Chief Technology Officer Stanislav Vishnevskiy bietet das überarbeitete System den Nutzern diesmal jedoch Optionen, die weniger tief in die Privatsphäre eingreifen.
Anfang des Jahres sah das Konzept von Discord noch vor, allen Konten automatisch eine jugendgerechte Nutzungsumgebung zuzuweisen. Potenziell sensible Inhalte sollten weichgezeichnet und der Zugriff auf altersbeschränkte Kanäle gesperrt werden. Wer diese Einschränkungen aufheben wollte, musste sein Alter nachweisen. Dafür sollten Nutzer ein Foto ihres Personalausweises oder eine Videoaufnahme ihres Gesichts an externe Dienstleister der Plattform übermitteln. Es überrascht kaum, dass die Community wenig begeistert davon war, solch sensible Daten weiterzugeben.
„Das Thema Altersnachweis sorgt für scharfe Kritik und Skepsis – besonders dann, wenn biometrische Daten oder Ausweisdokumente im Spiel sind“, erklärt Vishnevskiy in einem neuen Blogbeitrag. „Gleichzeitig verschärfen Gesetzgeber weltweit die Vorgaben. Seit meinem letzten Beitrag mussten wir bereits in weiteren Regionen wie Brasilien oder Texas Systeme zur Altersprüfung einführen. Politikwissenschaftler und Entscheidungsträger von der EU bis nach Indonesien fordern von uns einen strengeren Jugendschutz. Für mich ist es deshalb wichtiger denn je zu beweisen, dass so etwas datenschutzfreundlich funktioniert: Nämlich so, dass mehr als 90 Prozent von euch ihr Alter überhaupt nicht aktiv bestätigen müssen.“
Discord wurde 2015 als Chat- und Sprachsoftware für Gamer ins Leben gerufen. Heute zählt die Plattform hunderte Millionen aktive Nutzer weltweit und steht zunehmend im Fokus internationaler Jugendschutz-Regulierungen.
Das neue System zur Altersverifikation wird im Laufe dieser Woche für alle Nutzer ausgerollt. Es schätzt das Alter eines Kontos automatisch ab. Als Grundlage dienen das Alter des Accounts sowie die Art der Server, auf denen man aktiv ist. „Wir werten dabei weder eure Nachrichten noch Eure Anrufe oder sonstige Inhalte aus“, verspricht Vishnevskiy.
Ordnet Discord ein Konto automatisch der Erwachsenenkategorie (ab 18 Jahren) zu, ändert sich nichts. Konten in der Teenager-Gruppe (13 bis 17 Jahre) erhalten zusätzliche Schutzmaßnahmen. Diese blockieren altersbeschränkte Inhalte, Bereiche und Einstellungen. Wer bereits volljährig ist, von Discord aber nicht als erwachsen eingestuft wird, bekommt künftig mehr Optionen ohne biometrische Daten an die Hand, um das tatsächliche Alter nachzuweisen.
„Wir haben jede Methode genau geprüft. Die Daten, die ihr uns oder unseren Dienstleistern übermittelt, dienen ausschließlich dazu, eure Altersgruppe zu bestimmen. Ihr könnt also genau die Option wählen, mit der ihr euch am wohlsten fühlt“, ergänzt Vishnevskiy. So lässt sich das Alter ab sofort etwa über Kreditkartendaten oder eine Bestätigung der Altersfreigabe aus dem Apple App Store beziehungsweise Google Play Store verifizieren. Eine vollständige Liste aller Möglichkeiten findet ihr im offiziellen Statement von Vishnevskiy.
„Jede Form des Altersnachweises – und erst recht die Weitergabe biometrischer Daten oder von Ausweisdokumenten – ist ein brisantes Thema. Das ist auch völlig verständlich, wenn man bedenkt, worum es geht und wohin sich die Netzpolitik weltweit entwickelt: nämlich zu einem immer stärker regulierten Internet. Das betrifft weit mehr als nur uns“, so Vishnevskiy weiter. „Wir haben uns dazu entschieden, unsere erweiterten Jugendschutzfunktionen weltweit einzuführen und dabei den maximal möglichen Datenschutz umzusetzen – selbst dort, wo es gesetzlich noch gar nicht vorgeschrieben ist. Wir halten das schlicht